Full text: Elementarisierung im Schulbuch

Die wohl umfassendste Elementarisierung naturwissenschaftlicher Inhalte erfolgt im 
Geographieunterricht bei den Klimadiagrammen und den Klimaklassifikationen. In 
Heimat und Welt (1997, S. 66) werden die Klimaelemente Temperatur und Niederschlag 
in drei wissenschaftlichen Darstellungsformen aufgelistet (Köppen/ Geiger, Walter/ 
Lieth, Lauer/ Frankenberg), es besteht bei den einzelnen Grafiken kein Unterschied zu 
wissenschaftlichen Publikationen. Die Elementarisierung erfolgt für Fachwissenschaft 
und Schule in gleicher Weise: lediglich zwei Elemente werden zur Verdeutlichung der 
klimatischen Verhältnisse verwendet, andere Faktoren wie Bewölkung, Wind, Relief, 
Richtung der Luftmassen, Prozentsatz der Luftfeuchtigkeit werden nicht berücksichtigt, 
denn für die durch das Ziel vorgegebene Reduktion genügt die Beschränkung auf die 
beiden Elemente für Erfassung und Bewertung der klimatischen Gegebenheiten(vgl. 
auch die Ausführungen von Hamann in diesem Band). Der vor allem in Gymnasien 
verwendete Diercke-Atlas (2004, S. 220-223) enthält nicht weniger als vier unterschied- 
liche Darstellungen der Klimaregionen (Lauer/ Frankenberg, Troll/ Paffen, Köppen/ 
Geiger, Neef/ Flohn), sie entsprechen völlig den Darstellungen in der Fachliteratur. Die 
regionale Elementarisierung des Klimas durch unterschiedliche Kombinationen einzel- 
ner Klimafaktoren wie Tageslängenschwankung und die Zahl der ariden Monate bei der 
Klassifikation nach Lauer/ Frankenberg oder die Temperatur des wärmsten bzw. kältes- 
ten Monats und einer Mitteltemperatur bei der Klassifikation nach Köppen verdeutlicht 
dem Schüler, wie sehr kategoriale Festlegungen zu divergierenden Raumgliederungen 
führen. 
Humangeographische Inhalte 
und ihre Elementarisierung im Schulbuch 
Im Bereich der Humangeographie wird gegenwärtig sehr stark der „cultural turn“ disku- 
tiert, bei dem nicht der Raum, sondern das handelnde Subjekt im Mittelpunkt steht (z.B. 
Werlen 2000). Dieser Ansatz wurde in der Schulgeographie schon lange verwirklicht, 
denn dort ist nicht der „Raum an sich“ Inhalt des Unterrichts, sondern es sind die im 
Raum Agierenden. Selbst moderne Fragestellungen wie die Fragmentierung des Raumes 
(Scholz 2004) werden aufgegriffen, ohne dass eine Elementarisierung etwa durch inhalt- 
liche Reduktion erfolgt. 
Dass eine fehlende Elementarisierung zu Problemen führt, zeigt gut die Auseinander- 
setzung über Kulturerdteile (auch Kulturregionen genannt). Kulturerdteile wurden in der 
deutschen Geographie bereits 1963 von Kolb benannt, der Kategorien zur Bestimmung 
festlegte, die jedoch in den fachwissenschaftlichen Beiträgen zu diesem Thema wenig 
diskutiert wurden. In der breiten internationalen Öffentlichkeit wurde eine Raumgliede- 
rung nach Kulturen durch das Buch „Clash of Civilizations“ des amerikanischen Polito- 
logen Huntington bekannt (1996), seine Auffassungen werden von den meisten deut- 
schen Geographen abgelehnt (vgl. dazu Popp 2003). Für die Thematik der Elementari- 
sierung ist bedeutsam, ob Inhalte wegen ihrer gesellschaftlichen Relevanz auch dann im 
Unterricht behandelt werden sollten, wenn sie von Wissenschaftlern als zu simplifizie- 
rend abgelehnt werden. Dies geschieht, denn obwohl die Mehrheit der Wissenschaftler 
und der Geographiedidaktiker sich gegen eine Behandlung von Kulturräumen im Unter- 
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