Full text: Elementarisierung im Schulbuch

Zu beobachten ist in den Sprachbüchern ferner die Wahl von besonderen Begriffen 
wie zum Beispiel die „Wen-Ergänzung“ für das Akkusativ-Objekt. Diese Bezeichnung 
hat sich in allen durchgesehenen Sprachbüchern wiedergefunden und inzwischen inso- 
fern etabliert. Sie hat den Vorteil, dass kein weiteres Fremdwort eingeführt werden 
muss, außerdem ist das Fragepronomen als Operator im Begriff präsent. Die in den 
Schülerbänden verwendeten Termini Satzgegenstand, Satzkern und Satzaussage sind 
bereits solche, die dem Schüler durchsichtig erscheinen müssen und zu den lateinischen 
Begriffen hinführen können. 
Der Verzicht von Terminologie kann aber auch zu Problemen führen, was im Folgen- 
den durch Beispiele verdeutlicht werden soll: 
- Zum Thema Modalverben werden zum Beispiel die entsprechenden Wörter (müs- 
sen, können, sollen) zusammengestellt (Mobile, S. 32); der Begriff „Modalverb“ 
taucht aber nicht auf. Dadurch kann es zu Verwechselungen mit anderen zweiteili- 
gen Satzkernen kommen, die durch Perfektbildung entstehen oder auf trennbare 
Verben zurückzuführen sind, und die auf der nächsten Seite thematisiert werden. 
Der Schüler wird nicht zur Unterscheidung angeleitet, obwohl diese für den Ge- 
genstand grundlegend ist und durch den Begriff ohne großen Aufwand hätte geleis- 
tet werden können. 
- Es unterläuft der Fehler, dass zunächst Satzglieder vorgestellt werden, ohne dass 
der Begriff Satzglied eingeführt wird. Der Begriff wird in einem anderen Zusam- 
menhang als bekannt vorausgesetzt. 
- Die Begriffe Wortfamilie und Wortfeld werden im Hauptteil vermieden (vgl. Mo- 
bile), kommen aber als Registerbegriff vor. Dadurch stellt sich das Problem, dass 
Termini nicht bereitstehen, um an bestimmte Verfahren zu erinnern, denn auch für 
das Überarbeiten von Geschichten oder für das Vorbereiten von Schreibprozessen 
arbeitet man in der Regel mit solchen Wortsammlungen; an dieses Verfahren 
könnte durch die Nennung des Terminus viel einfacher erinnert werden. 
4 Verkürzung und Ausbau von Lernwegen 
Im Folgenden soll anhand von Beispielen gezeigt werden, dass die in Büchern vorge- 
nommene Verkürzung von Lernwegen zwar Eindeutigkeit für den Schüler schafft, näm- 
lich in der Hinsicht, dass der Schüler genau weiß, was er bei bestimmten Arbeitsanwei- 
sungen zu tun hat. Zu beobachten ist in einigen Fällen allerdings die Tendenz zu einer 
oberflächlichen Elementarisierung, denn der Schüler weiß nicht, warum er die eine oder 
andere Aufgabe löst. 
So ist zum Beispiel für den Lerngegenstand Grammatik auch die Einbettung von In- 
halten in einen pragmatischen Zusammenhang wesentlich. Dieser ist in den untersuchten 
Unterrichtswerken vordergründig zwar gegeben durch eine thematische Anbindung, die 
in jedem Fall stattfindet. Allerdings scheint diese Anbindung zum Teil nur eine Alibi- 
Funktion zu übernehmen und eine pragmatische Anbindung findet gerade nicht statt. 
Deutlich wird dies im Bereich Wortschatzarbeit, die eher als Einsetzübung stattfindet 
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