Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
ten Textbezug angegeben wird. So findet sich zum Beginn von „Das Brot“ in der Spalte 
„Funktion/ Wirkung“ folgende Eintragung: 
„Leser/ Leserin wird ohne Umschweife mit einem Ausschnitt aus dem alltäglichen 
Leben bekannt gemacht“ (Deutsch plus 9, S. 249). 
Das ist aber nichts anderes als eine Paraphrase des Merkmals „unvermittelter Beginn“, 
die in keiner Weise die Wirkung des Anfangs dieses konkreten Textes auf den Leser auf 
den Punkt bringt. Ähnlich floskelhaft heißt es weiter unten in der Tabelle, durch „Knap- 
pes, gedrängtes Skizzieren des Ereignisses“ (Was?) mittels „Parataxen“ (Wie?) werde 
der „Eindruck des Ausschnitthaften [verstärkt]“ (Funktion/ Wirkung). Es wird deutlich, 
dass die Eintragungen in der Spalte „Funktion/ Wirkung“ auf die Merkmale ausgerichtet 
sind, die auf derselben Seite unter „Merke“ als Charakteristika der Kurzgeschichte ge- 
nannt werden. Funktional im Sinne von verstehensfördernd wird das Merkmalswissen 
dadurch nicht. Ebenso wenig kann man bei Deutsch plus 9 von einer intertextuellen 
Vernetzung des Merkmalswissens zur Kurzgeschichte sprechen. Zwar erfolgt eine Ab- 
grenzung der Kurzgeschichte von anderen Gattungen (S. 244, S. 252), aber eine Bezie- 
hung zwischen den exemplarisch ausgewählten Kurzgeschichten wird nicht explizit 
hergestellt. So spielt bereits bei der dritten Kurzgeschichte der Einheit, „Nacht“ von 
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Sibylle Berg (S. 250f), das soeben erarbeitete Gattungswissen zur Kurzgeschichte über- 
haupt keine Rolle mehr. 
Elementarisierung erfolgt in den untersuchten Lehrwerken dieser Gruppe also, indem 
Gattungswissen als Liste isolierter Einzelmerkmale konzipiert wird. Es lässt sich als 
gemeinsames Merkmal aller Bücher dieser Gruppe feststellen, dass sie die Funktion der 
Kurzgeschichtenmerkmale für das Textverständnis nicht verdeutlichen. Darüber hinaus 
fördern sie auch zu wenig den Vergleich von Texten mit dem Ziel, Genremerkmale als 
durchaus variable Gemeinsamkeit einer Gruppe von Texten herauszuarbeiten und Gat- 
tungswissen so als flexibles Schema aufzubauen. Wenn Gemeinsamkeiten zwischen den 
Texten hergestellt werden, dann allein über den Nachweis der listenartig gegebenen 
Merkmale. Ein intertextueller Vergleich ist das aber noch nicht, wenn das Procedere der 
Denkrichtung Ziste—Text 1 ‚ Liste—Text 2 usw. folgt.” 
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Am ehesten zeigt sich der An i 
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n : = Intertextueller Arbeit mit den Kurzgeschichten Merkmal 
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