Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
ein höchst komplizierter und komplexer Vorgang ist, bei dem sowohl die Denkoperatio- 
nen für die Gewinnung didaktisch vereinfachter Aussagen(systeme) (Analyse, Synthese, 
generalisierende Abstraktion, isolierende Abstraktion) als auch deren Transformation in 
Sprache und Darstellungsformen in je spezifischer Hinsicht betrachtet werden müssen. 
Damit in Beziehung zu setzen sind dann noch jeweils die Faktoren „gegenstandsrelevan- 
te Vorkenntnisse und Verstehensweisen der Schüler“, „die fachwissenschaftlichen und 
didaktischen Kompetenzen der Lehrer“,,methodische Verfahren“ und „mediale Unter- 
stützung“. Schließlich ist noch die Rolle und Bedeutung von „Resultaten didaktischen 
Vereinfachens“ wie sie aus Hochschullehrbüchern, aus Schulbüchern, aus Lehrerbegleit- 
heften, aus Fachzeitschriften, aus Verlagsmaterialien, aus Ratschlägen von Kollegen und 
aus Erfahrungen des Lehrers mit vorangegangenem Unterricht zu entnehmen sind. Auf 
diese Weise entstehen Vereinfachungsreihen, bei denen „ein Minimum an Merkmalen 
des betreffenden Gegenstandes akzeptiert werden muß, das im Zuge des didaktischen 
Vereinfachens nicht mehr weiter unterschritten werden darf. Sonst kommt es dazu, daß 
nicht mehr alle Glieder einer Vereinfachungsreihe von ihrem Inhalt her als ernst zu 
nehmende, für die Aneignung von Wissen über die lebende Natur bedeutsame, fachwis- 
senschaftlich richtige Resultate didaktischen Vereinfachens anzusehen sind.“ (S. 113f) 
S. Brezmann beklagt, dass sich die Fachdidaktik als Wissenschaft diesem Problem bis- 
her zu wenig angenommen hat. 
3 Die Elementarisierung als Konstruktion des Lernenden 
Schon an W. Klafki wurde kritisiert, seine zuerst sachstrukturell, später stärker emanzi- 
pationsorientierte Elementarisierung bildungsrelevanter Inhalte des Schulunterrichts 
berücksichtige zu wenig, dass es der Schüler sei, der ein Exemplum als Exemplum ver- 
stehen und werten müsse. Die Hinwendung zum lernenden Schüler als zentrale Katego- 
rie aller didaktischen Überlegungen — und so auch aller Überlegungen zur Elementarisie- 
rung — erfolgt pointiert und wissenschaftstheoretisch reflektiert in der neueren Didaktik- 
theorie, näherhin der Konstruktivistischen Didaktik (Wiater 2007; Peterßen 2001). Die 
Konstruktivistische Didaktik (auch Systemisch-Konstruktivistische Didaktik oder Sub- 
jektive Didaktik genannt) entwirft Lernen systematisch aus der Perspektive des Schü- 
lers/ der Schülerin, die sie als autopoietische, selbstreferenzielle, autokatalytische und an 
Homöostase interessierte Handlungssysteme betrachtet. Diese Handlungssysteme stehen 
zu der sie umgebenden Umwelt in ei i i i 
u ner relativen Autonomie, das heißt konkret: Sie 
können von außen nicht direkt b h 
veranlasst werden. Im Sinne de 
eeinflusst, sondern nur zu systeminternen Aktivitäten 
s Konstruktivismus als didaktischer Theorie (vgl. H. 
 

	        

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