Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
spricht daher von Elementarisieren als „Kunst“, die auf Intuition, Erfahrung und Sensibi- 
lität für mögliche Lernschwierigkeiten beruht und eine genaue Kenntnis der zu vermit- 
telnden Sachverhalte und ihrer Strukturen voraussetzt (vgl. ebd., S. 193). Elementarisie- 
rung erfolgt nach Weltner als Abfolge von Erklärungsgliedern; als eigentliche Schwie- 
rigkeit der Elementarisierung sieht er die Konstruktion erster, grundlegender Erklä- 
rungsglieder an. Bleichroth et al. (1991) verstehen Elementarisierung als Vereinfachung 
von Inhalten, als Bestimmung des Elementaren und als Zerlegung in (methodische) 
Elemente (vgl. Bleichroth et al. 1991, S. 98). Ziel des Elementarisierungsvorgangs ist es, 
die Komplexität eines Sachverhalts zu reduzieren, indem zunächst Einzelelemente iden- 
tifiziert und ihre Beziehungen zueinander als Teile des Ganzen und als Ganzes erfasst 
werden, dann die Anzahl der Einzelelemente soweit und derart reduziert wird, dass auch 
weiterhin auf den Gesamtzusammenhang geschlossen werden kann. Zur Realisierung 
stehen verschiedene Arten fachlicher Vereinfachung zur Verfügung, darunter die Rück- 
führung auf das Qualitative, die Überführung von Inhalten in bildhaft-symbolische Dar- 
stellungen, die Vernachlässigung von Elementen oder Einzelheiten und die Rückbesin- 
nung auf frühere historische Entwicklungsstufen. Ob die Elementarisierung eines Inhalts 
gelungen ist, lässt sich nach Bleichroth et al. danach beurteilen, ob die Kriterien 1.) An- 
gemessenheit für die geistige (kognitive) Struktur der Schüler, 2.) fachliche Richtigkeit 
und 3.) Entwicklungsfähigkeit (d. h. die Möglichkeit, das erworbene Wissen zu erwei- 
en Be bisher Gelerntes revidieren, „umlernen“ zu müssen) erfüllt werden (vgl. ebd., 
. 114). 
Klafki (1963) stellt die Frage nach dem Elementaren als „Frage nach der Weise, in 
der Inhalte auftreten müssen, um Bildung stiften, um Bildungs-Inhalte werden zu kön- 
nen“ (Klafki 1963, S. 321). Er verknüpft diese Frage eng mit dem jeweils zu vermitteln- 
den fachlichen Inhalt, also mit der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Disziplin, da 
sich das Elementare aufgrund der Unterschiedlichkeit der Bildungsinhalte einzelner 
Unterrichtsbereiche in verschiedener Weise darstellt. Klafki beschreibt sieben Grund- 
formen des Elementaren: Grunderfahrung und Grunderlebnisse (als das Fundamentale), 
das Typische, das Klassische, das Repräsentative, die einfachen Zweckformen und die 
einfachen ästhetischen Formen, schließlich das Exemplarische — die nach Klafki „ange- 
messene Form“ des Elementaren für die Naturwissenschaften und damit für die Physik 
(vel. ebd., S. 441ff). Die sechs erstgenannten Formen sind vor allem auf andere Lehrbe- 
reiche anwendbar; so findet sich z.B. das Elementare der biologischen Bildung im Typi- 
schen, Geschichtliches Wissen wird durch die Darstellung des Repräsentativen elemen- 
tarisiert. Mit dem „Exemplarischen“ bezeichnet Klafki „die Erkenntnis des Allgemeinen 
ed I Algen cl ee Ba a a 
derkehr und Wiederholbarkeit letztlich Bas EN en Ei DEE 
Auch Wagenschein (1991, $. 34) betrachtet das Exemnlariuchn ae u 
gi ae mplarische als grundlegendes 
„onzept zur Elementarisierung physikalischer Inhalte, Als „exemplarisches Verfahren“ 
ist es eine von drei Säulen in seinem „genetisch-sokratisch-exemplarischen Lehrgang“ 
auch insgesamt als „genetischer Lehrgang“ bezeichnet, in dem genetische ee 
und exemplarische Elemente miteinander „verschmelzen“ (Wagenschein 1991 S. 114) 
Mit dem „Genetischen“ bezieht sich Wagenschein auf das „Werdende“ n nn a 
zweierlei Hinsicht, nämlich auf das „Werden des Lernenden“ sowie auf das „Werden des 
338 
 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.