Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
Im Gegensatz zum „Einstieg“, der eng an die Vorstellung einer Wissensrepräsentati- 
on in Form von „Plattformen“ und „Verbindungstritten“ gebunden ist, hat das Exempla- 
rische keinen Stufencharakter. Zwar ist auch das Exemplarische eine für den Schüler 
unvorbereitete Herangehensweise an ein Themengebiet, doch kann sich das Exemplari- 
sche auch „auf ein einziges ausstrahlendes Problem [...] beschränken“ (ebd., S. 37) und 
ist nicht als Bestandteil einer Plattform zu verstehen. Dennoch können Einstieg und 
Exemplarisches gleichzeitig erscheinen, dann nämlich, wenn es sich um einen „exempla- 
rischen“ Einstieg handelt. Das heißt: Das exemplarisch in einem Einzelnen demonstrier- 
te kann auch als Einstieg in ein Themengebiet, als Zugang zu einer Plattform genutzt 
werden und der Einstieg kann von dort aus sowohl „strahlend“ als Exemplarisches als 
auch „ballend‘“ als Plattform wirken (vgl. ebd., S. 39). 
Trotz der manchmal unterschiedlichen Herangehensweise an das Problem des Ele- 
mentaren und des Elementarisierens kann zusammenfassend formuliert werden: Ziel von 
Elementarisierungsbemühungen ist es, dem Lernenden einen aus seiner Erfahrungswelt 
stammenden „Startpunkt“ zu vermitteln, der ihm zu Einsichten über die Grundelemente 
— das Elementare — der Physik verhilft. Mittel zur Förderung von Verstehen sind Verein- 
fachungen, die Orientierung an Alltagsvorstellungen, das Anknüpfen am Vorverständnis 
der Schüler und die Verwendung qualitativer statt quantitativer Darstellungen. Zur Fra- 
gestellung, welche Wissenseinheiten aus der Physik als elementar zu bezeichnen sind, 
fehlen konkrete Äußerungen und Festlegungen. Wie von Weltner (1982) kritisiert, bleibt 
offen, wie sich aus den theoretischen Annahmen Handlungsmuster und Beurteilungskri- 
terien ableiten lassen. 
Verstehensbarrieren: Die Sprache der Physik 
Elementarisierungsbemühungen zielen darauf ab, Lehrinhalte und ihre Zusammenhänge 
für den Lernenden nachvollziehbar und verstehbar zu machen. Die vorgestellten Er- 
kenntnisse beziehen sich dabei im Wesentlichen auf die Auswahl von Inhalten und mög- 
lichen Einstiegen zu einem Thema. Durch Elementarisierungsvorgänge im beschriebe- 
nen Sinne ist jedoch nicht sicher gewährleistet, dass die zu vermittelnden Inhalte beim 
Schüler „ankommen“, dass tatsächlich Verstehensprozesse stattfinden und der Lernende 
neu Gelerntes in sein bisheriges Wissen integrieren kann: sprachlich-kommunikative, 
motivationale und kontextbedingte Barrieren behindern den Lernprozess. Im Zusam- 
menhang mit seinen Ausführungen zum genetischen Lehren benennt auch Wagenschein 
(Wagenschein 1991, S. 72) Hindernisse für den Bildungsprozess in den Naturwissen- 
schaften, die im Rahmen von Elementarisierungsbemühungen auftreten können und die 
über die Auswahl von Lehrinhalten hinausgehend zur Gewährleistung erfolgreichen 
Lernens bewältigt werden müssen. Die von ihm genannten Hindernisse treten in den 
Bereichen Anschaulichkeit und Sprache auf und wirken als Barrieren beim Versuch, 
tiefgehende Erkenntnisse zu ermöglichen. Es verwundert zunächst, wenn Anschaulich- 
keit, eine im positiven Sinne generell geforderte Eigenschaft von Lehrtexten, hier als 
Hindernis betrachtet wird — die Relation ‚Je anschaulicher, desto verständlicher“ liegt 
allzu nahe. Eine gerade im Physikunterricht äußerst gebräuchliche Strategie zur Veran- 
schaulichung ist daher auch der Einsatz von Apparaturen, in denen sich das sonst un- 
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