Full text: Elementarisierung im Schulbuch

- Zum einen richtet sich das Konzept der Learning Objects darauf aus, einmal er- 
stellte Medienangebote für Zwecke des Lehrens und Lernens in unterschiedlichen 
Kontexten auf längere Zeit nutzen zu können — auch bei geänderten Anforderung 
an technische Grundlagen, für neue Lerninhalte, für neue Zielgruppen oder für 
neue curriculare Erfordernisse. Das Konzept der Learning Objects soll daher si- 
cherstellen, dass einmal getätigte Investitionen in die Erstellung digitaler Lernma- 
terialien nicht verloren gehen. Damit sind die Bemühung um Learning Objects Teil 
der Nachhaltigkeitsstrategien, die gerade für öffentlich geförderte Projekte im Be- 
reich des Lehrens und Lernen mit digitalen, webbasierten Medien gefordert wer- 
den. Ob hier wirklich im engeren Sinne von „Nachhaltigkeit“ gesprochen werden 
kann, soll offen bleiben. Jedoch ist die langfristige Nutzbarkeit und, damit verbun- 
den, eine Kostensenkung das Ziel der Bemühungen. 
- Zum anderen richtet sich das Konzept der Learning Objects darauf aus, Medienan- 
gebote für das Lernen wertschöpfend zu vertreiben. Werden digitale, webbasierte 
Medienangeboten nicht frei verfügbar im Internet veröffentlicht, sondern nur gegen 
Entgelte nutzbar gemacht, werden sie zu einer Handelsware. Sie können dann nicht 
nur von Bildungseinrichtungen direkt den Lernenden angeboten werden, sondern 
auch zwischen Bildungseinrichtungen ausgetauscht und gehandelt werden. Auf 
diese Weise entstehen Bildungsmärkte, auf denen Bildungseinrichtungen, Unter- 
nehmen und Privatpersonen als Akteure in unterschiedlichen Rollen von Produzen- 
ten, Konsumenten und Vermittlern agieren. 
Mit den Bildungsmärkten sind nicht nur Erwartungen an Reduktion von Kosten für Bil- 
dungsmaßnahmen bzw. die Hoffnung auf Wertschöpfung verbunden. Der Austausch und 
Handel am Markt soll auch Auswirkungen auf die Qualität der Bildungsinhalte haben: 
„Die Wiederverwertung von Bildungsinhalten führt zu einer Reduzierung der Er- 
stellungskosten neuer Bildungsinhalte einerseits und zu einer Entwicklung von 
Austausch- und Feedbackbeziehung zwischen Anbietern und Nachfragern ande- 
rerseits. Wissensmärkten wird deshalb das Potential eingeräumt, dass sie den an 
ihnen beteiligten Bildungseinrichtungen sowohl zu einer Kostenreduktion als auch 
zur Qualitätssteigerung der vermittelten Inhalte verhelfen können.“ (Simon 2003, 
S. 17£.) 
Die Auswirkung auf die Qualität von Bildungsinhalten wird hier nicht nur dadurch be- 
gründet, dass ein Mehr an verfügbaren Lernmaterialien (z.B. zum Thema Sinusfunktion) 
ein Mehr an besseren Lernmaterialien (eben die beste Lerneinheit zum Thema Sinus- 
funktion) zur Folge hat. Qualität entsteht in dieser Sicht dadurch, dass in der Beziehung 
zwischen Anbietern und Nachfragern entsprechend dem Ideal eines freien Marktes sich 
bessere Produkte gegenüber schwächeren durchsetzen. 
Damit verbunden ist eine Kommodifizierung von Lerninhalten. Bildungsangebote 
werden durch die mediale Vergegenständlichung als Learning Objects zu Waren. Her- 
stellung, Verbreitung und Nutzung von Bildung wird kommerzialisiert. Ob sich die Er- 
wartungen dieser Programmatik ohne Weiteres erfüllen werden, darf bezweifelt werden. 
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