Full text: Elementarisierung im Schulbuch

Gegen eine Programmatik, die Bildungsangebote durch mediale Vergegenständlichung 
in Learning Objects zu Waren macht, setzen nicht-kommerzielle Bemühungen um Lear- 
ning Objects den Anspruch auf deren freie Verfügbarkeit. Frei bedeutet in diesem Zu- 
sammenhang nicht nur, dass keine Entgelte für die Nutzung zu bezahlen sind. Mit dem 
Anspruch auf freien Zugang zu Lernmaterialen ist auch der Anspruch auf Mündigkeit, 
Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Lernenden verbunden. Einerseits ist 
diese Ausrichtung getragen von einem emanzipatorischen Interesse, das den einzelnen 
Lerner zum Subjekt des eigenen Lernens macht und Lernen unabhängig von institutio- 
nellen und curricularen Vorgaben möglich machen soll. Andererseits reduziert diese 
Ausrichtung Lernen auf die unmittelbare, bedarfsgerechte Verfügung über Wissen (in 
der Art des Lernens auf Abruf, engl.: „learning on demand‘), die den Anforderungen an 
Menschen in flexibilisierten Arbeitsverhältnissen und dem wirtschaftlichen Interesse an 
kurzfristigen Renditen auf Investitionen in Bildung entgegenkommen. 
4 Learning Objects und bildungstheoretische Aspekte 
Beide auf den ersten Blick gegensätzlich ausgerichteten Programmatiken zu Learning 
Objects - Kommodifizierung auf der einen und Gemeinwesenorientierung auf der ande- 
ren Seite — stimmen an einem zentralen Punkt in ihrer Argumentation überein: Auf der 
Grundlage der konkreten Utopie der universellen Verfügbarkeit von Informations- und 
Lernangeboten, die das technische System des World Wide Web verspricht, werden 
Bildungsgüter als materialisierte, mediale Vergegenständlichung betrachtet. Während 
die kommerziellen Interessen die Verfügung über die medialen Repräsentationen von 
Informations- und Lernangeboten begrenzen wollen, richten sich die gemeinnützig aus- 
gerichteten Bemühungen gegen diese Begrenzung. Die gemeinsame Grundannahme 
lautet aber, dass die Verfügung über mediale Informations- und Lernangebote alleine 
Lernen oder Bildung ermöglicht. Gegenstand der Auseinandersetzung sind hier Lernma- 
terialien, nicht die begrifflichen Vorstellungen zu Zielen und Inhalten von Lehr-/ Lern- 
Prozessen. 
Auf den ersten Blick mag dieser Diskurs keine bildungstheoretischen Folgen nach 
sich ziehen. Die Bemühungen um Learning Objects betreffen vordergründig rein techni- 
sche oder organisatorische Fragestellungen in Bezug auf Lernmaterialien (Granularität, 
Aggregation, Kontext, verlässliche Meta-Daten und die Beschreibung von Lehr-/ Lern- 
prozessen), ohne Auswirkungen auf curriculare Aspekte von Bildungsprozessen zu ha- 
ben. Gerade weil Learning Objects nur die kleinsten Einheiten in Lehr-/ Lernprozessen 
betreffen, mag sich ein Diskurs um Bildung erst in größeren, damit curricular gefassten 
Einheiten konstituieren. 
Die Frage nach dem Elementaren als bildungstheoretische Kategorie offenbart jedoch 
auf den zweiten Blick einige interessante Aspekte, die dennoch konkrete Auswirkungen 
der Diskussion um Learning Objects vermuten lassen: 
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