Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
Bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts galt die Kenntnis der C- 
Dur Tonleiter im Violinschlüssel als ein wichtiger Inhalt des elementaren Musikunter- 
richts. Gekoppelt war der Weg von der Rufterze über die Kinderleier zur Pentatonik — 
praktiziert auf den diatonischen Stabspielen des Orff-Instrumentariums — mit dem Vom- 
Blatt-Singen-Lernen. Das Erlernen der auf dieser Grundkenntnis aufbauenden traditio- 
nellen Musiktheorie, den Dreiklängen und der Kadenz ist nach Meinung vieler Musikpä- 
dagogen bis heute noch eine elementare Voraussetzung und Grundlage für einen fachge- 
rechten Musikunterricht. 
Dies hat sich geändert. Es wird im Folgenden an Beispielen aus den fünf Generatio- 
nen von Musikschulbüchern für die Grundschule gezeigt. 
Die traditionelle Notenschrift ist kein elementares, sondern ein höchst kompliziertes 
Schriftsystem, das in der allgemeinen Schule in seiner Differenziertheit nicht erlernt 
werden muss und nicht erlernt werden kann. 
Trotzdem finden Noten auch schon im Anfangsunterricht Verwendung. Sie sind vor 
allem für das Lesen von Musik von Bedeutung. Noten werden von Anfang an wie Bilder 
gelesen. Das heißt, man beschreibt, was man sieht und setzt das, was man sieht auch in 
Beziehung zu dem, was man gleichzeitig hört. 
Für das Beschreiben braucht man keine zuvor erlernte Fachsprache, sondern benutzt 
den Alltagswortschatz. Ausgangspunkt sind die folgenden elementaren Begriffspaare mit 
all ihren dazwischen liegenden Differenzierungsmöglichkeiten: 
- Laut und leise - für die Lautstärke (Dynamik), 
- Hoch (hell, oben) und tief (dunkel, unten) — für die Tonhöhen, 
- Lang und kurz - für den Rhythmus, 
- Schnell und langsam - für die Zeitverhältnisse, 
- Einer und Viele — für Besetzungen und Harmonie, 
- Gleichbleiben und verändern - für den Formverlauf 
sowie elementare Aussagen zu 
- Klangfarben: d.h. zum Instrumentarium, 
- Spielweisen: schlagen, blasen, streichen, zupfen, reiben, sprechen, singen, 
- Werkzeugen: Hand und Füße, Schlägel, hart und weich. 
Beim Hören, Lesen und Musizieren, d.h. bei allen denkbaren Aktivitäten im Unterricht 
entwickelt sich eine immer differenziertere Fachsprache, mit anderen Worten, Musik- 
theorie. Im Musik-Schulbuch ist im weitesten Sinne alles Gedruckte Notation: Texte und 
Bilder, grafische Notationen und traditionelle Noten. Notation ist deshalb zentraler Aus- 
gangspunkt für alle möglichen und denkbaren unterrichtlichen Aktivitäten.! 
 
"Wichtiges Begleitmaterial jedes Mu; 
nicht beigegeben werden kann. 
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sikbuches ist das Hörbeispiel, d.h. der Tonträger, der diesem Beitrag 
 

	        

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