Full text: Elementarisierung im Schulbuch

chern für den Anschauungsunterricht, den Heimatkundeunterricht, den Rechenunterricht, 
den Leseunterricht und die Unterrichtslehre selbst. 
1 Der Pädagoge Diesterweg 
und sein Wirken für eine Verbesserung der Volksbildung 
F.A.W. Diesterweg wurde 1790 in Siegen geboren. Nach einem Studium der Mathema- 
tik, Naturwissenschaften und Pädagogik an den Universitäten Herborn, Heidelberg und 
Tübingen trat er 1812 am Gymnasium in Worms seine erste Lehrerstelle an; von dort 
wechselte er 1813 an die so genannte „Musterschule‘“ in Frankfurt am Main, in der man 
sich um fortschrittliche Lehr- und Lernmethoden bemühte, und 1818 an die Lateinschule 
in Elberfeld. Bereits in diesen Jahren ist neben seiner Lehrtätigkeit an höheren Schulen 
ein Engagement für die Hebung der Volksbildung erkennbar. So war er Mitbegründer 
der „Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen Kenntnisse und deren Hilfswissen- 
schaften“ sowie der „Sonntagsschule für Handwerkslehrlinge in Frankfurt am Main“ und 
lehrte an beiden Einrichtungen. In Elberfeld schloss er Freundschaft mit dem Lehrer 
Johann Friedrich Wilberg, der in seinem Hause regelmäßig Fortbildung von Volksschul- 
lehrern betrieb. Diesterweg setzte sich dafür ein, dass Kinder nicht zu früh zur Fabrikar- 
beit herangezogen wurden, sondern zunächst die Schule besuchen konnten. 
Die Konfrontation mit Arbeiterelend und anderen Missständen sensibilisierte ihn für 
den Zusammenhang von Bildung und sozialen Verhältnissen und weckte in ihm den 
Wunsch, noch unmittelbarer für die Verbesserung der Bildung des einfachen Volkes 
wirken zu können. Breitenwirkung versprach eine Tätigkeit in der Volksschullehreraus- 
bildung, die gerade in diesen Jahren in Preußen durch zahlreiche Seminargründungen 
forciert wurde. 
Diesterwegs Bewerbung um die Leitung des Lehrerseminars in Moers am Nieder- 
rhein wurde allerdings skeptisch aufgenommen. Zum einen war er der erste Nichttheolo- 
ge, der sich um ein solches Amt bewarb, und Religiosität und Sittlichkeit galten als die 
Hauptpfeiler in der Lehrerausbildung. Zum anderen wurde ein echtes Interesse des pro- 
movierten Mathematikers am Volksschulwesen anfänglich in Frage gestellt. Nach ent- 
sprechenden behördlichen Erkundigungen bei Personen, die ihn gut kannten, und Begut- 
achtung des Inhalts seiner bisherigen pädagogischen Veröffentlichungen, darunter eine 
Schrift „Ueber Erziehung im Allgemeinen und Schul-Erziehung im Besonderen“ (1820/ 
1998) und ein Lehrbuch für den Anfangsunterricht in der Geometrie (im Manuskript 
eingereicht; erschienen 1822), wurde die Ernsthaftigkeit seines Ansinnens schließlich 
anerkannt (vgl. Schütze 2000). Faktisch bereits seit 1820, offiziell seit 1823 leitete er das 
neu gegründete Volksschullehrerseminar in Moers. 
In jener Gründungsphase ging von den Seminardirektoren eine stark prägende Wir- 
kung auf ihre Anstalten aus. Die vorgesetzten Behörden achteten zwar durch die Vorga- 
be von Musterlehrplänen und regelmäßige Besuche darauf, dass in allen Einrichtungen 
etwa der gleiche Bildungsstand erreicht wurde, aber die Auseinandersetzungen mit eben 
diesen Behörden zeigen deutlich, dass einzelne Direktoren versuchten, die ihnen beson- 
ders wichtigen Fächer zu stärken. So wurde Diesterweg wiederholt vorgeworfen, die 
materiale religiöse Ausbildung der Seminaristen zu vernachlässigen und auf formale 
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