Full text: Elementarisierung im Schulbuch

Es geht also darum, Aufmerksamkeit auf alle Details zu lenken und dafür Benennun- 
gen zu finden. Dazu gibt Diesterweg bei diesem ersten Beispiel anschauliche Hinweise 
zum „Gang der Uebung“, d.h. er elementarisiert nicht nur den Stoff, sondern auch den 
Lehrgang: 
„Der Lehrer zeigt auf die Gegenstände, welche genannt werden sollen, hin, und 
fragt: Was ist das? Wie heißt dieses Ding, dieser Gegenstand? — Der gefragte 
Schüler antwortet: Das ist ein Fenster — das sind Fenster — dieser Gegenstand (die- 
ses Ding) ist ein Fenster — dieses (das) sind Fenster. Zur Abwechselung sprechen 
mehrere oder alle Schüler die Antwort eines Schülers nach, besonders dann, wenn 
ein Wort der Antwort den Schülern nicht ganz bekannt ist. 
In der Regel richtet der Lehrer jede Frage an alle Schüler. Wer die Antwort 
weiß, hebt schnell den Zeigefinger der rechten Hand (nicht den ganzen Arm) in die 
Höhe; dann giebt der Lehrer demjenigen, welcher die Antwort sagen soll, einen 
Wink. Willkürliches und wildes Durch-einander-sprechen oder Durch-einander- 
schreien wird nicht geduldet. Am Ende der Uebung nennen einzelne Schüler alle 
Gegenstände, welche vorgekommen sind, in einer Reihe. Dieses ist die Schulstu- 
be, dieses der Fußboden, dieses die Stubendecke etc. Oder: Ich sehe die Schulstu- 
be, eine Tafel etc. Oder der Lehrer fragt: Wo ist der Ofen? welches die Stu- 
benthür? 
Anm. Ein für alle Mal werde hier auf die große Wichtigkeit einer recht scharfen 
Betonung in den Fragen und Antworten aufmerksam gemacht“ (S. If.). 
Es soll also nicht nur geübt werden, Gegenstände zu erkennen und richtig zu benennen, 
sondern zugleich, in ganzen Sätzen zu antworten, korrekt, deutlich und betont zu spre- 
chen und Singular und Plural zu unterscheiden. Dabei wird grundlegend wichtiges Sozi- 
alverhalten für den späteren Unterricht eingeübt. 
Des Weiteren werden dem Lehrer Hinweise gegeben, wie er aus der Art der Betonung 
beim Sprechen erkennen kann, ob der Inhalt verstanden ist, und immer wieder auf die 
Bedeutung seiner eigenen guten Artikulation hingewiesen. 
Wie durch den Anschauungsunterricht zugleich die Kenntnisse über Eigenschaften 
und Bedeutung der einzelnen Gegenstände vermehrt werden, zeigt das Beispiel der 
„Dinte“: 
„Die Dinte dient zum Schreiben. Wenn man sie ausgießt, so fließt sie; die Dinte ist 
flüssig, eine Flüssigkeit. Taucht man eine Feder in sie ein, so bleibt etwas Dinte in 
der Feder.hangen. Hat man sie zu tief eingetaucht, so fließt wieder etwas Dinte in 
runder Gestalt heraus — ein Dintentropfen. In einem Gefäße steht die Dinte oben 
ganz gleich, wie stillstehendes Wasser — wassergleich, wasserrecht, oder wie eine 
Wage, wenn sie recht steht - wagerecht. Die Oberfläche der stillstehenden Dinte 
ist wasserrecht — ist eine wagerechte Oberfläche.“ (S. 11) 
Noch deutlicher wird die Vermittlung der physikalischen Eigenschaften durch Beobach- 
tung am konkreten Beispiel, wenn bei der zweiten Übung Vergleiche angestellt werden, 
hier: zwischen der Tinte und dem Papier: 
89 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.