Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

Carsten Heinze 
Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis 
Zur Einführung in den Themenband 
Das Spannungsverhältnis zwischen Schulbuch, Lehrplan und Unterrichtspraxis stand im 
Zentrum der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für historische und systema- 
tische Schulbuchforschung 2004, die vom 1. bis 3. Oktober im Bayerischen Schulmuse- 
um Ichenhausen stattfand. Hier wurden die wechselseitigen Beeinflussungsprozesse 
zwischen dem Schulbuch, dem Lehrplan und der Unterrichtspraxis aus ganz unterschied- 
lichen transdisziplinären Perspektiven aufgegriffen und diskutiert. Der nun vorgelegte 
Tagungsband, in dem die überarbeiteten Vorträge zusammengefasst und durch weitere 
Beiträge ergänzt werden, versteht sich als Problemaufriss und Aufforderung für weitere 
Untersuchungen. 
Den Hintergrund für die Betrachtung des Verhältnisses von Lehrplan, Schulbuch und 
Unterrichtspraxis bildet zunächst einmal das Interesse des Staates an der Herstellung und 
Kontrolle der Schulbücher. In Deutschland stellt sich das Verhältnis aus Sicht der Bil- 
dungspolitik als lineares Steuerungsmodell dar'. Mit den Lehrplänen legen die jeweiligen 
Kultusministerien in Zusammenarbeit mit Praktikern, Wissenschaftlern und Vertretern 
gesellschaftlicher Gruppen die zentralen Inhalte und Ziele des entsprechenden Unter- 
richtsfaches fest. Gleichzeitig werden die Schulbuchautoren und Verlage auf diese Fest- 
legungen durch die an ein staatliches Zulassungsverfahren gebundene Verwendung der 
Schulbücher im Unterricht verpflichtet, wobei die Berücksichtigung der Lehrplanvorga- 
ben ein Kriterium der Prüfung ist neben der Verfassungstreue und der didaktisch- 
methodischen sowie der fachwissenschaftlichen Angemessenheit. Grundsätzlich soll 
über die Lehrpläne die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsinhalte im Schulbuch 
gesteuert werden; die Schulbücher lassen sich so als „zum Leben erweckte Lehrpläne“ 
verstehen, in denen die vorgeschriebenen Inhalte didaktisch-methodisch verarbeitet 
präsentiert werden (Kuhn/ Rathmayr 1977, S. 9; vgl. auch Stein 2003, S. 236). Mit der 
Verwendung der entsprechenden Schulbücher im Unterricht sollen schließlich die in den 
Lehrplänen formulierten Ziele auch erreicht werden. Dem Schulbuch kommt in diesem 
Modell deshalb eine zentrale Steuerungsfunktion im Schulsystem zu, weil es die „curri- 
 
' Ähnlich auch z.B. in Österreich und der Schweiz. 

	        

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