Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

 
 
Galerie von Bildern und sehr gewagte aber detaillierte Interpretationen, oft in einer ideo- 
logischen oder biographischen Richtung, oft im Vergleich mit Bildtraditionen. 
Bei den untersuchten Schulwandbildern fällt die große artistische Freiheit auf, neben 
einer mindestens ebenso großen kompositorischen Rückschrittlichkeit. Das Anknüpfen 
an Charakteristiken eines Malstils folgte schnell. Der Flämische Expressionismus z.B. 
von 1905-1910 wurde schon um 1930 bei der Darstellung der Normalwörter benutzt. 
Die bukolischen Fachbegriffe und handwerklichen Themen blieben dagegen dominant; 
in jeder Darstellung des Familielebens gab es immer drei Generationen in einem Wohn- 
zimmer, wobei jede mit ihren charakteristischen Beschäftigungen dargestellt wurde. Ob 
die Künstler sich dieser ‚geheimen’ Symbolik bewusst waren, ist nicht bekannt und auch 
nicht erforscht. Ob die Lehrer und Lerner sie verstanden haben auch nicht. Diese Metho- 
de zeigt zwar, wie eine didaktische Ikonologie oder eine didaktische visuelle Sprache 
entstand, aber nicht, welche Elemente und welche Ordnung diese Quellen hatten. Der 
Nachdruck liegt auf den Medien selbst und weniger auf ihren Autoren. Wie die Inhalts- 
analyse so legt auch die Kompositionsanalyse sich wiederholende Muster bloß, setzt 
allerdings eine genaue und aufmerksame Beobachtung voraus. 
Die Diskursanalyse ist ganz etwas anderes. Weiter auf Foucaults Arbeit aufbauend ist 
diese Herangehungsweise eine Sammlung von Methoden um einige zentrale Konzepte 
herum, wie ‚Diskurs’, ‚Kraft’ und ‚Wissen’ und die These, dass die soziale Kommunika- 
tion, die jedes Subjekt definiert, immer Kraft und Widerstand impliziert. Die Diskurs- 
analyse folgt der Fragestellung, welche Kenntnisse (und Fertigkeiten, und Mentalitäten) 
dominant geworden sind, wie das passiert ist und welche Kräfte und Relationen dabei 
entstanden sind. Solch ein ambitionelles Programm wurde anhand konkreter historischer 
und, nicht immer, aber oft, systematischer Beispiele realisiert. Ich habe diese generelle 
und sehr theoretische Analysemethode nach vier Quellenarten aufgeteilt. Zuerst sind hier 
die pädagogischen Zeitschriften zu nennen. Aus den Kommentaren in pädagogischen 
Zeitschriften ließ sich schließen, dass Schulwandbilder viel weniger benutzt als ange- 
priesen wurden. In ungefähr zwanzig Zeitschriften für Volksschullehrer gab es sehr viel 
Anzeigen, viele Kurzrezensionen (immer positiv), wenige Modelstunden mit Schul- 
wandbildern und nur selten wurde auf Wandbilder in Kommentaren über dem Alltagsun- 
terricht verwiesen. Zweitens gibt es die Bilder selbst, und die Art und Weise, wie sie 
Glaubhaftigkeit anstreben. Da sind technologische Eigenschaften wie eine andauernde 
Anwesenheit, eine zwingende Explikation und die Verbindung mit bekannten Forschen 
und Pädagogen, sowie die inhaltlichen Aussagen, wie Legenden, Nummerierungen oder 
photographische Perspektiven. Hier muss ich sagen, dass Schulwandbilder für den 
Sprachunterricht viel mehr auf lustige ‚Wahrheiten’ in der Art von Comics verweisen als 
a AR UN ARRNEeE. Die Wandbilder mussten nicht nur richtig sein, aber 
Winter m. e Ebenso gibt es auch typische Ausprägungen dieser Bilder: im 
on und Holzarbeit, in den Familien ist jeder aktiv. Drittens stellt 
N ei Art an Bildern produziert, verkauft und benutzt wurde. 
die Zensurkommission. die Redak Aid nseralet, Ang beurteilt? Kommerzielle Betriebe, 
Eneheirerbet re a aa von Zeitschriften sowie ihre Rezensenten und 
Seel De Re ME 
een ER BO über Schulwandbilder. Wie erinnern graphisch talentier- 
ilder ihrer Schulzeit? Ihre Kommentare bieten einen Einblick 
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