Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

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culare Souveränität“ (Knepper 1998, S. 178) des jeweiligen Landes im Unterricht und 
damit die Qualität der Vermittlungsprozesse sichern soll. 
Dieses bildungspolitische Steuerungsmodell ist eng mit der Ende des 18. J ahrhunderts 
einsetzenden Entwicklung des Schulbuchs zum „Leitmedium“ des Unterrichts verbun- 
den, die wesentlich durch die fortschreitende Pädagogisierung und Institutionalisierung 
der Vermittlungs- und Lernprozesse befördert wurde (vgl. Depaepe/ Simon 2003). In 
diesem Prozess konnte sich das Schulbuch in seiner Bedeutung für die Unterrichtspraxis 
gegenüber dem Lehrplan behaupten. Über die sich immer weiter ausdifferenzierenden 
Lehrpläne — bis hin zur Aufnahme didaktisch-methodischer Vorgaben — konnte auf die 
Unterrichtspraxis allenfalls indirekt — vermittelt über das Schulbuch — Einfluss genom- 
men werden. Ein Grund dafür liegt in der Polyvalenz des Schulbuches, zugleich als 
Lehrplan, Anleitung zum Unterrichten für die Hand des Lehrers und Lehr- und Lernbuch 
für die Hand des Schülers zu fungieren und so den Lehrer bei der Unterrichtsvorberei- 
tung und -durchführung wesentlich zu entlasten.’ Insofern ist es verständlich, dass dem 
Schulbuch im staatlichen Prüf- und Genehmigungsverfahren so viel Aufmerksamkeit 
zugewendet wird (vgl. Stillemunkes 1998). 
Schulbücher lassen sich jedoch nicht beliebig als „getreue Erfüllungsgehilfen der 
Lehrpläne“ (Kuhn/ Rathmayr 1977, S. 16) den Steuerungsambitionen der Bildungspoli- 
tik unterwerfen. Der Erfolg des linearen Steuerungsmodells ist von vielfältigen Voraus- 
setzungen und Bedingungen des Instruktionsprozesses abhängig; vor allem in der Unter- 
richtspraxis treten „Steuerungsverluste“ auf, das haben die internationalen Vergleichs- 
studien in den letzten Jahren eindrücklich vorgeführt. 
Wodurch werden nun diese „Steuerungsverluste“ hervorgerufen bzw. wie können 
diese eingeschränkt oder vermieden werden? An dieser Stelle eröffnen sich sowohl in 
historischer als auch in systematischer Perspektive über die Untersuchung des engeren 
Wechselverhältnisses von Lehrplan und Schulbuch hinaus zentrale Fragestellungen für 
die Schulbuchforschung, die einerseits im Rahmen der nationalstaatlichen und anderer- 
seits der internationalen Entwicklung zu bearbeiten sind. 
Diese betreffen z.B. die Einwirkungen, denen das Schulbuch während seines Herstel- 
lungsprozesses unterworfen ist, die Widerspieglung gesellschaftlicher Diskurse im 
Schulbuchwissen (vgl. Höhne 2003) sowie die gesellschaftliche Anschlussfähigkeit 
desselben und den Beitrag des Schulbuchs zur Kanonisierung von Wissen. Wie lernen 
Schulbücher und wie organisiert sich deren Lernprozess? (vgl. Oelkers 2001). 
Weitere Untersuchungsfelder ergeben sich hinsichtlich der Ziele, die mit der Einfüh- 
ge ni werden (Kontroll- und Steuerungsfunktion) und der 
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Bei der Materialnutzung zur Unterrichtsplanung durch die Lehrer z.B. liegt der gültige Lehrplan weit 
hinter dem in der Klasse eingeführten und and 
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mann/ Rauin/ Höhmann/ Tebrügge 1999, S. 86). ee A > 
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