Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

ßereuropäischer Geschichte erfolgt sporadisch, aber nicht als dominierende Perspektive. 
Die Klasse 10 umfasst im Wesentlichen die Zeitgeschichte. Zu den erworbenen Kompe- 
tenzen gehört das Thema Vielfalt und Einheit Europas, in dem auch Kenntnisse zur 
Geschichte Europas seit der Antike gehören. Europa wird hier quasi als ein Extrakurs 
neben die dominierende Nationalgeschichte gestellt, hier finden sich auch Verweise auf 
die beginnende Globalisierung seit der frühen Neuzeit. Ab der Klassenstufe 11 erfolgt 
eine thematische Vertiefung des vorher erworbenen Wissens mit der Konzentration auf 
das 19. und 20. Jahrhundert. In den Leistungskursen der Sekundarstufe II müssen Kom- 
petenzen der europäischen Einigungsbewegung nach 1945 nachgewiesen werden. Aber 
bis auf die chinesische Revolution sind keine Kompetenzen in der außereuropäischen 
Geschichte gefordert. Kompetenzen im Bereich der Einen Welt im Kontext von globali- 
sierter Wirtschaft, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung, Migration und Mobilität wer- 
den hingegen im Fächerverbund GWG (Geographie, Wirtschaftskunde und Gemein- 
schaftskunde) in der 8. Klasse sowie vertiefend im Leistungskurs der gymnasialen Ober- 
stufe gefordert. Gemäß den Bildungsstandards für Geographie können die Schüler u.a., 
so wörtlich, „einige der weltweiten Verflechtungen und Abhängigkeiten im Prozess der 
Globalisierung aufzeigen“, „Räume unterschiedlichen Entwicklungsstandes im Globali- 
sierungsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft in ihren Grundzügen analysieren“ und 
„für ein globales Problemfeld Ursache-Wirkungszusammenhänge im Beziehungsge- 
flecht natürlicher, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Faktoren aufzeigen 
und in ihrer Raumwirksamkeit verstehen“. (Ministerium 2003a, 248, 251) In Gemein- 
schaftskunde gehörten zu den Kompetenzen im Bereich von „Globalisierung und Struk- 
turwandel“ beispielsweise die Erläuterung der Dimensionen und Erscheinungsformen 
des Globalisierungsprozesses und die Darstellung und Beschreibung unterschiedlicher 
Bewertungen dieses Phänomens sowie die Analyse internationaler ökonomischer und 
politischer Konflikte. (Ministerium 2003a, 267 und 269f.) Daraus wird deutlich, dass die 
Orientierungsfunktion von schulischem Lernen nicht primär auf das historische Lernen 
im Geschichtsunterricht abhebt, sondern auf Gemeinschaftskunde und Geographie. 
Zusammenfassend zu den auf den Bereich Lehrplan bezogenen Befunden lässt sich 
feststellen, dass sich sowohl im internationalen als auch nationalen Rahmen, wenn auch 
in sehr unterschiedlichem Maße, innerhalb des letzten Jahrzehnts einschneidende Verän- 
derungen vollzogen haben. Mit Blick auf den baden-württembergischen Bildungsplan 
wird deutlich, dass in diesem Fall Lehrpläne nicht, um mit Künzli zu sprechen, den 
„Spiegel einer im Grundsatz defensiven Modernisierung“ darstellen, sondern Innovatio- 
nen in der Praxis einleiten, die bisher weder in der wissenschaftlichen Lehr- und Lehr- 
planforschung noch in der historischen Wissenschaft adäquat reflektiert worden sind. 
(Künzli/ Hopmann 1998, 738) Der Bildungsplan zeigt aber auch, dass in den Standards 
wenig über globale Perspektiven zu finden ist, sondern diese anderen Fächern zugeord- 
net sind. Zudem macht ein Blick auf die Geschichtslehrbücher deutlich, dass hier ein 
inhaltlicher Wandel noch aussteht. Ein Gutachten des Georg-Eckert-Instituts für interna- 
tionale Schulbuchforschung für das Bundespräsidialamt von 2002 über Geschichts-, 
Geographie- und Sozialkundeschulbücher und -lehrpläne hat gezeigt, dass die nationale 
Perspektive dominiert und außereuropäische Geschichte nur selektiv und unter eurozent- 
rischem Blickwinkel, aber immerhin integrativ betrachtet wird. (Schissler 2003). Dieser 
Befund verwundert wenig, wenn man die geringen inhaltlichen Erweiterungen im Bil- 
203 
SETRLTERRETNTTE 
ee 
Be 
TE HENE, 
X; 
ge 
rt 
u 
= 
BE 
Bd 
KR LDZ 
SE 
IEE te, 
ee 
FRE, 
RE 
W3 
ER 
BEER, 
fi 
Pe 
en 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.