Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

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gung hoher Funktionäre der SED bzw. der DDR wie Erich Mielke, Kurt Hager oder 
Heinz Hoffmann besonders betont wurde. 
Die Darstellung der Politik und Kriegführung der Sowjetunion sowie der Westmächte 
Großbritannien, Frankreich und USA in den Jahren 1933 bis 1945 war geprägt durch ein 
der politischen und ideologischen Frontstellung des Kalten Krieges entsprechendes 
Freund-Feind-Schema. Durch eine höchst selektive Mitteilung historischer Fakten sowie 
eine Fülle von Halbwahrheiten und Geschichtsfälschungen wurde der als profaschistisch 
und antisowjetisch interpretierten Politik der Westmächte die vermeintliche Friedenspo- 
litik der Sowjetunion als grundsätzliches Kennzeichen der Politik sozialistischer Staaten 
gegenübergestellt. Hierbei wurde durch aktualisierende Feststellungen eine ungebroche- 
ne Kontinuität in der sowjetischen Außenpolitik bis in die Gegenwart behauptet. Dem- 
entsprechend war die Darstellung der sowjetischen Außenpolitik in den Jahren 1939 bis 
1941 eine Aneinanderreihung grober Geschichtsfälschungen. 
Das Hauptziel, das mit der Darstellung des Zweiten Weltkrieges verfolgt wurde, war 
es, den Schülern die Überzeugung von der mit der sozialistischen Gesellschaftsordnung 
begründeten Überlegenheit der Sowjetunion über die kapitalistischen Staaten zu vermit- 
teln und damit auch die enge Bindung der. DDR an die Vormacht UdSSR zu fundieren. 
Deshalb wurde der Zeitraum von 1939 bis 1941 äußerst kurz abgehandelt, der Schwer- 
punkt lag auf der Darstellung des Zeitraums nach 1941. Hierbei fanden sich im Ver- 
gleich zu Informationen über die Westmächte nicht nur wesentlich umfangreichere Aus- 
führungen über die Leistungen der Sowjetunion, sondern auch die von den Autoren aller 
Lehrbücher vorgenommenen Wertungen entsprachen der Frontstellung des Kalten Krie- 
ges. 
Durchwegs beabsichtigt war die Erziehung zum Feindbild Imperialismus. Durch ak- 
tualisierende Passagen sollte das auf der marxistisch-leninistischen Theorie basierende 
Schema von Sozialismus und Friedfertigkeit auf der einen Seite und von Kapitalismus 
im Stadium des Imperialismus und Kriegsgefahr auf der anderen Seite vermittelt werden. 
III Inhaltliche Änderungen bei bestimmten Stoffaspekten 
Im Rahmen des gemäß den Lehrplänen in den Lehrbüchern im Kern bis 1989 unverän- 
dert vermittelten Bildes vom Zeitraum von 1933 bis 1945 gab es inhaltliche Änderungen 
bei bestimmten Stoffaspekten bzw. Akzentverschiebungen, für die eindeutig politisch 
motivierte Vorgaben der SED-Führung ausschlaggebend waren. Im Folgenden sollen 
dafür zwei Beispiele angeführt werden. 
Ein Beispiel ist der Umstand, dass die auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges ver- 
fassten, bis 1966 gültigen Lehrpläne und Lehrbücher unmittelbar auf die Tagespolitik 
bezogene Aktualisierungen zum Zweck der Erziehung zum Feindbild Bundesrepublik 
Deutschland enthielten. Vor dem Hintergrund der marxistisch-leninistischen Geschichts- 
theorie von der Abfolge von Gesellschaftsformationen wurde betont, dass im Unter- 
schied zur sozialistischen DDR in der Bundesrepublik Deutschland die sozial- 
ökonomischen Grundlagen des Faschismus fortbestehen. Daraus wurde eine prinzipielle 
Gleichsetzung von Bundesrepublik und Drittem Reich abgeleitet und behauptet, in der 
Bundesrepublik werde ein dritter Weltkrieg vorbereitet. Als Beleg dafür wurde das Ver- 
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