Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

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schen und didaktischen Grundsätzen sowie nach Auswahl, Anordnung, Darbietung und 
Umfang des Stoffs für die betreffende Schulart und Jahrgangsstufe angemessen sind 
(...).“ (Lernmittelverordnung 1994, 410/ 2000, 482-438) 
Der Verlag, der ein Schulbuch genehmigen lassen will, reicht das Buch oder druck- 
fertige Manuskript ein, für das nach einer ersten Sichtung im Kultusministerium zwei 
unabhängige Gutachten eingeholt werden. Zur Qualifikation der Gutachtenden betonte 
Peer Frieß vom Kultusministerium 1998, „daß nach Möglichkeit eine jüngere und eine 
ältere Lehrkraft benannt werden, die aus verschiedenen Regionen Bayerns kommen und 
über eine hinreichende Unterrichtserfahrung verfügen. In jedem Fall muß es sich um 
Lehrkräfte handeln, die sowohl in ihrer Examensleistung als auch in ihrer schulischen 
Leistung erheblich über dem Durchschnitt liegen und damit fachwissenschaftlich wie 
schulpraktisch bestens ausgewiesen sind.“ (Frieß 1998, 182) Die Gutachtenden überprü- 
fen die Manuskripte anhand ausführlicher Kataloge unter anderem auf sachliche Fehler, 
schülergemäße Darstellung, Berücksichtigung fächerübergreifender Bezüge und Gleich- 
berechtigung der Geschlechter. Den Kriterienkatalog und die schulartspezifischen Zu- 
satzkriterien findet man im Internet unter www.stmuk.bayern.de/km/rat_aus- 
kunft/lernmittel. „Vor allem aber muß für die Zulassung bestätigt werden können, daß 
das Lernmittel frei ist von verzerrenden Vereinfachungen und jeglicher Form der Indokt- 
rination.‘“ (Frieß 1998, 184) Die Gutachten bilden eine Hilfe bei der Detailprüfung im 
Kultusministerium. Falls das Schulbuch nicht sofort zugelassen wird, erhalten die Schul- 
buchautoren die anonymisierten Gutachten und Hinweise des Kultusministeriums als 
Möglichkeit zur Reaktion bzw. Überarbeitung des Manuskripts. Neue Auflagen müssen 
das Verfahren neu durchlaufen, Nachdrucke nicht. 
Welche Bücher tatsächlich angeschafft werden, entscheidet vor Ort die Schulleitung 
nach dem Votum der Fachkonferenzen. Hier werden auch die Prioritäten für Neuan- 
schaffungen ausgehandelt. Selbst nach der Einführung neuer Lehrpläne können noch 
Bücher im Gebrauch sein, die nicht mehr lehrplankonform sind. Die Streichung von der 
Zulassungsliste bedeutet nämlich zunächst nur, dass keine neuen Bücher der Ausgabe 
angeschafft werden dürfen. Alte Bestände dürfen aufgebraucht werden, „sofern bei der 
Rücknahme oder dem Widerruf nichts anderes bestimmt ist“ (Lernmittelverordnung 
2000, 484). 
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