Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

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Digitale Kopien 
Das Problem der digitalen Kopie tauchte zunächst bei proprietärer Software für PCs 
Mitte der 80er Jahre auf. Waren Programme für die Mainframes der frühen Computer- 
zeit noch auf die spezielle Hardwarekonstellation zugeschnittene Einzelanfertigungen, so 
vergrößerte sich der Markt mit der Verbreitung der Homecomputer und des IBM-PCs. 
Software-Entwicklung ging von der Manufaktur in die industrielle Massenproduktion 
über. Ein Programm lief auf beliebig vielen Computern. Dem Interesse der Kunden an 
kostengünstiger oder -freier Software stand das Profitinteresse der Software-Entwickler 
gegenüber, die sich Maßnahmen überlegten, ihre Programme zu schützen. Da sich Ko- 
pierschutzvorrichtungen als wenig wirksam erwiesen, ging man dazu über, gesetzliche 
Regelungen zu schaffen, welche die Kopie von Software untersagt. Es war zwar weiter- 
hin möglich, Kopien anzufertigen, die gesetzlich unterfütterte Stigmatisierung als Raub- 
kopie verbannte das Treiben jedoch in eine wachsende halb- oder illegale Szene. 
Je nach gesellschaftlicher und kultureller Bedeutung der geistigen Schöpfungen wer- 
den unterschiedliche Regelungen getroffen und im Urheberrecht, im Patentrecht, im 
Markenrecht oder im Gebrauchs- und Geschmacksmusterrecht festgehalten. Geregelt 
werden Schutzfristen und -kosten, die Verwaltung von Verwertungsrechten sowie die 
Rechtsfolgen bei Nichtbeachtung. 
Der Gesetzgeber erwirkt damit einen Schutz vor der Möglichkeit von Kopien ohne 
Substanzverlust des Originals, ein Schutz, der in der Welt der Atome technisch nicht 
notwendig war, weil analoge Kopien immer mit erheblichen Verlusten verbunden sind, 
so dass insbesondere Kopien höherer Ordnung (Kopien von Kopien von Kopien) für die 
meisten Konsumenten wenig attraktiv waren. 
Die Digitalisierung von geistigen Werken macht diese den Vorteilen der verlustfreien 
Digitalkopie zugänglich, bei welcher der materielle Träger keine Rolle mehr spielt. Ob 
auf Diskette, CD-ROM, USB-Stick, Memory-Card oder auf Festplatte, ein digitales Bild 
wird durch die Anordnungen von Bits definiert und nicht durch das Medium der Spei- 
cherung. Bei digitalen Werken entfällt die Unterscheidung zwischen Original und Kopie, 
jede Kopie kann als Original für weitere Kopien dienen. Digitale Kopien sind damit auch 
in höherer Ordnung möglich, wodurch die exponentielle Verbreitung eines Werkes, 
basierend auf nur einem gekauften Exemplar, möglich ist. 
Es ist daher wenig erstaunlich, dass die Rechteinhaber besorgt auf die neuen Techni- 
ken blicken, zumal ein technischer Kopierschutz wenig effizient ist, da das Werk, einmal 
von ihm befreit, beliebig weiter kopiert werden kann. Eine Strategie besteht nun darin, 
die Wirksamkeit eines Kopierschutzes nicht mehr an seinem Erfolg zu messen, Kopier- 
versuche erfolgreich zu unterbinden, sondern die Wirksamkeit einfach juristisch zu defi- 
nieren, so geschehen in $ 95a, Abs. 2 UrhG. 
Ebenso wenig erstaunt es aber auch, dass Konsumenten die Verhaltensregeln der 
Verwertungsindustrie nicht einfach annehmen und ihr Verhalten aus Zeiten der Analog- 
Kopie auf die Digitalkopien übertragen. Galten die meisten Analogkopien noch als 
Privatkopie, nicht zuletzt weil ihre Erstellung unkontrollierbar war, und wurden sie 
durch das Recht auf Privatkopie abgesichert, so erscheint in den Augen der 
Rechteinhaber jede Digitalkopie als Piratkopie (IFPI, 2003) 
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