Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

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Es herrscht also ein zunehmender Konflikt zwischen den Interessen der Konsumenten 
an immer leichter verfügbaren kulturellen Produktionen und den Interessen der Rechte- 
inhaber an möglichst hohen Umsätzen. Die Aufgabe des Gesetzgebers ist es, diese Inte- 
ressenkonflikte durch geeignete Normen abzufedern. Die aktuelle Novelle des Urheber- 
rechts versucht, das 1965 verabschiedete Gesetz über Urheberrecht und verwandte 
Schutzrechte an die Erfordernisse der Wissensgesellschaft anzupassen. Der Gesetzestext 
ist zwar längst im juristischen Spezialjargon festgefahren, doch war es für den einzelnen 
Bürger noch nie so einfach, rechtswidrig zu handeln wie in Zeiten der Digitalkopie. 
Gesellschaftliche Aufklärung 
Gesellschaftliche Aufklärung tut Not, eine Aufgabe, die bei Kindern und Jugendlichen 
klassischerweise zum Bildungsauftrag der Schulen zählt. Doch in welchem Fach können 
derart aktuelle Themen behandelt werden? Weder Rechtskunde noch Lebensvorbereitung 
gehören zum Schul-Curriculum. Ein Blick in die akademische Diskussion hilft weiter: 
Da es sich bei dem Problem rund um die Digitalkopie um direkte Folgen der Informati- 
ons- und Kommunikationstechnologien (IKT) handelt, fallen sie u.a. in das Forschungs- 
feld der Informatik, genauer in den Bereich Informatik und Gesellschaft. Die Fragen um 
gesellschaftliche Auswirkungen wurden schon zu Gründungszeiten innerhalb der Infor- 
matik angesiedelt sind und nicht etwa in die Sozialwissenschaften ausgegliedert (vgl. 
Coy, 1996). 
Die Beschäftigung mit Fragen rund um Digitalkopien gehört zum Kreis der Fragen 
um gesellschaftliche Auswirkungen von IKT und sollte daher in der Schule im Informa- 
tikunterricht behandelt werden. Dabei scheint es auch aus schulcurricularen Gründen 
angezeigt, den Themenkomplex Urheberrecht bzw. Informationsrecht inhaltlich im 
Informatikunterricht anzusiedeln: 
1. Die enge Verknüpfung von Informationsrecht und Informationstechnologien for- 
dert grundlegende Kenntnisse über die Geschichte, Möglichkeiten und Entwick- 
lungsrichtungen dieser Technologien. Dieses Wissen kann in Schulen lediglich bei 
Informatiklehrern durchgängig vorausgesetzt werden. Erforderlich wäre bei ihnen 
allerdings eine Fortbildung im Bereich Informationsrecht. 
2. Die Behandlung ethischer und rechtlicher Fragen der Informationsgesellschaft 
könnte auch in den Unterrichtsfächern Gesellschaftskunde, Ethik o. ä. erfolgen. 
Dies würde eine Fortbildung dieser Lehrer im Bereich Informationstechnologien 
erforderlich machen, was wegen der Komplexität dieses Themenfeldes ungleich 
aufwändiger wäre als Informatiklehrer im Gebiet Informationsrecht fortzubilden. 
3. Die Empfehlung der Gesellschaft für Informatik zur informatischen Bildung in 
Schulen orientiert sich bereits an den vier Leitlinien „Interaktion mit Informatik- 
systemen, Wirkprinzipien von Informatiksystemen, Informatische Modellierung“ 
sowie „Wechselwirkungen zwischen Informatiksystemen, Individuum und Gesell- 
schaft‘ (GI, 2000). 
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