Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

4. Folglich finden sich in den Rahmenplänen der Informatik in allen Bundesländern 
Unterrichtseinheiten zum Themengebiet Informatik und Gesellschaft (Grüber, 
2004). Strukturelle Anpassung von Rahmenplänen wäre also für die Informatik 
nicht erforderlich, das Lehrmaterial kann problemlos in bestehende Unterrichtspla- 
nungen integriert werden. 
Zwar sind diese Themen in den Rahmenplänen verankert, sie werden in der Unterrichts- 
praxis aber noch allzu sehr vernachlässigt, was u. a. auf folgende Gründe zurückzufüh- 
ren: 
1. Die Informatik ist historisch aus der Mathematik und der Elektrotechnik entwach- 
sen. Die meisten Hochschullehrer entstammen diesen Disziplinen und geben in ih- 
rer Lehre das weiter, was sie gelernt haben. 
2. Daher ist das Informatikstudium weiterhin stark mathematisch/ technisch orien- 
tiert. Die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Bezügen gehört zwar in den Pflicht- 
bereich, wird aber von vielen Dozenten und Studenten als Randbereich wahrge- 
nommen. 
3. Lehramtstudenten haben durch ihre Zusatzbelastung mit einem zweiten Fach oft 
nicht die Zeit, mehr als das Pflichtprogramm zu absolvieren, streifen den Themen- 
komplex I&G daher nur am Rande. 
4. Die fachdidaktische Forschung bekennt sich zwar zur Bedeutung von I&G (GI, 
2000), konzentriert sich aber bis heute auf einen algorithmusorientierten Ansatz, 
d.h. sie beschäftigt sich mit Didaktiken der informatischen Modellierung und Algo- 
rithmisierung von Problemen (vgl. Hubwieser 2000; Schubert/ Schwill 2004). 
Sowohl von fachlicher als auch von fachdidaktischer Seite gibt es also offiziell keine 
Bedenken, dennoch ist weiterhin viel konzeptionelle Arbeit zu leisten. 
Neben unzureichend ausgebildetem Lehrpersonal ist ein weiterer Hinderungsgrund 
für die Behandlung von I&G im Informatikunterricht der Mangel an geeignetem Lehr- 
material. Fehlende Schulbücher sind ein durchgängiges Problem des Informatikunter- 
richts. Die Informatik ist wie ihr Gegenstandsbereich in ständigem Wandel und weit 
davon entfernt, ein konsensfähiges Selbstverständnis zu formulieren, geschweige denn 
einen Kanon informatischer Bildung zur Verfügung zu stellen. Die wenigen Schulbücher 
auf dem Markt sind daher weitgehend von engagierten Lehrern erstellt und keineswegs 
für den Einsatz im Unterricht, sondern als Planungshilfen für Informatiklehrer konzipiert 
(z.B. Lehmann 1994). Für den Bereich Informatik und Gesellschaft gibt es praktisch kein 
Lehrmaterial. Für Schulbuchverlage ist die Entwicklung und Bereitstellung von Lehrma- 
terialien zur Informatik, insbesondere zu Spezialgebieten wie Informatik und Gesell- 
schaft ökonomisch uninteressant, so dass auch in Zukunft von dieser Seite nicht mit 
Veröffentlichungen zu rechnen ist. 
Ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten bei der Produktion von brauchbarem Un- 
terrichtsmaterial sind die Themenblätter im Unterricht, Neuer Markt: Internet und Copy- 
right, herausgegeben im Frühjahr 2001 von der Bundeszentrale für politische Bildung 
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