Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

Schulsponsoring 
An dieser Stelle lohnt sich ein Blick in die USA, wo Schulsponsoring deutlich stärker 
verbreitet ist als in Deutschland und dadurch auch wissenschaftliche Veröffentlichungen 
zum Thema systematischer ausfallen. Alex Molnar, Professor für Erziehungspolitik an 
der Arizona State University und Leiter der Commercialism in Education Research Unit 
(CERU) fasst in einem jährlichen Bericht die zunehmende Kommerzialisierung ameri- 
kanischer Schulen zusammen. Zu diesem Zweck zählt er mit seinen Mitarbeitern Einträ- 
ge in den Datenbanken „Lexis-Nexis“ und „Education Index“ aus, die wiederum auf 
zahlreiche Artikel in Populär-/ Wirtschafts-/ Marketing-Zeitschriften (Lexis-Nexis) bzw. 
auf erziehungswissenschaftliche Zeitschriften (Education Science) verweisen, die an- 
schließend in der CERU inhaltlich ausgewertet werden. Während die wachsenden Zah- 
len Aufschluss über die Kommerzialisierung des amerikanischen Bildungssystems ge- 
ben, über Tendenzen in Europa allerdings wenig aussagen können, lässt sich das von 
Molnar gewählte Kategoriensystem auch auf europäische Verhältnisse übertragen. Un- 
terschieden werden die Schulsponsoringaktivitäten in acht Kategorien: 
1. Sponsoring (Sponsorship): Die Unterstützung von Schulen mit Sach- und Finanz- 
mitteln. 
2. Exklusivverträge (Exclusive Agreements): Absprachen zwischen Firmen und 
Schulen, den Markt für Konkurrenzprodukte geschlossen zu halten. Besonders be- 
liebt bei der Getränkeindustrie. 
3. Anreizprogramme (Incentive Programs): Belohnungen für schulische Leistungen 
werden von Firmen zur Verfügung gestellt. 
4. Gewährung von Raum (Appropriation of Space): Werbeflächen in und an Schulen 
werden verkauft. 
5. Lehrmaterial (Educational Material): Filme, Anschauungsobjekte oder Arbeitsblät- 
ter werden von Firmen erstellt. 
6. Elektronisches Marketing (Electronic Marketing): Die Schüler werden auf elek- 
tronischem Weg beworben, u. a. über Radio, Fernsehen oder Internet. 
7. Privatisierung (Privatization): Ganze oder Teile von Schulen werden an private Fi- 
nanzgeber veräußert. 
8. Fundraising: Finanzierungsstrategien von Schulen jenseits staatlicher Förderung. 
Für genauere Zahlen und ihre detaillierte Interpretation muss auf Molnars sechsten Be- 
richt „No Student Left Unsold“ verwiesen werden (Molnar 2003). 
Unter den merkwürdigen Blüten, die das amerikanische Schulsponsoring treibt, erreg- 
te 1998 der Cola-Refund-Day-Incident internationales Aufsehen. Die Greenbrier High 
School in Evans/ Georgia richtete zu Ehren ihres Hauptsponsors, der Coca-Cola- 
Company, einen Coke-Day mit diversen Schüleraktivitäten aus. Der Schüler Mike Ca- 
meron trug an diesem Tag demonstrativ ein Pepsi-T-Shirt und wurde daraufhin von der 
Direktorin für einen Tag vom Schulunterricht suspendiert. Während dieser Vorfall viel- 
fach als Symbol für den Ausverkauf des amerikanischen Bildungssystems rezipiert wur- 
de, zeigt die Empörung der amerikanischen und der internationalen Presse, dass Schule 
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