Full text: Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

vergessen, wenn weiterhin mit einem Wissens- und Lernbegriff operiert würde, „den die 
Buchkultur zu ihrer Selbstvergewisserung entwickelte“ (ebd.: 17). Dieser Grundgedanke 
einer Koevolution von Wissen, Lernen und Medien soll hier nun aufgenommen und im 
Folgenden weiter entwickelt werden”. 
4 Elemente einer Schulbuchtheorie 
Für die konkrete Umsetzung eines solchen Programms möchte ich folgende Kategorien 
vorschlagen, die anschließend erläutert werden: ‚Wissen', ‚Medien, ‚Schulbuchwissen’, 
‚Diskurs’ und ‚Subjektkonstitution’. Die allgemeine Stoßrichtung dieses theoretischen 
Konzepts lässt sich wie folgt beschreiben. 
Wissen in der Moderne ist durch seine spezifischen Formen und Ausdifferenzierun- 
gen charakterisiert. Medien haben einen entscheidenden Anteil an diesem Ausdifferen- 
zierungsprozess, da unterschiedliche Wissensformen auch verschiedene Formen media- 
ler Repräsentation beinhalten. Somit liegt ein struktureller Zusammenhang von Wissen 
und Medien vor. Das Schulbuch stellt innerhalb eines Ensembles von sozialen Medien 
ein Medium dar und ist daher sowohl historisch als auch systematisch als Teil eines 
Medienverbundes zu betrachten. Die Spezifik seines Wissens bzw. seiner Wissensform 
gegenüber anderen Wissensformen besteht darin, dass sein Wissen pädagogisch- 
didaktisch kodiert ist. Jedes Wissen ist kodiert, d.h. es ist durch bestimmte Strukturele- 
mente und deren Relationen charakterisiert und differenziert. So wie eine Tageszeitung 
oder auch ein wissenschaftliches Buch stellt das Schulbuch ein gesellschaftliches Beo- 
bachtungsmedium dar, mit dem spezifische Beschreibungen sozialer Wirklichkeit vorge- 
nommen werden. Das (Beschreibungs)Wissen hat die Form eines Diskurses insofern, als 
es sprachlich-digital und bildlich-analog kodiert ist. Das in den Diskursen sprachlich- 
bildlich artikulierte und verdichtete Wissen wiederum beinhaltet eine subjektkonstitutive 
Funktion, d.h. es favorisiert, formiert und konstituiert bestimmte Identitäten auf Seiten 
der Individuen. Nun zu den Kernkategorien im Einzelnen. 
 
ns ergibt sich konsequent, was Gerd Stein als die Notwendigkeit einer „Kontext(er)forschung“ von Schul- 
büchern bezeichnet, bei der er eine Verbindung von „systematisch erziehungswissenschaftlicher 
Unterrichtsforschung“ und „komparativ sozialwissenschaftlicher Medien(umgangs)forschung“ empfiehlt 
(Stein 2003: 26). 
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