Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
fische familiale Arbeitsteilung und Schreibt deren Reproduktion in der nachwachsenden 
Generation fort. | 
Dazu gehört, dass Kinder Sich anpassen bzw. bruchlos eingepasst werden in beste- 
hende Familienverhältnisse. Die Kinder der Fibel Sind brav, Sie müssen „früh“ lernen, 
„zu gehorchen“, und Sie haben allerlei familiale „Pflichten“. Sie haben zwar ihr eigenes 
Wegen - es wird in den Fibeln körperlich markiert? - und ihre - märchenhafte - Kin- 
derwelt, nicht aber einen eigenen Willen?, das heißt, kein Recht auf gesellschaftliche 
Selbstbestimmung. Sie werden in tradierten Rollen und Mustern festgehalten, als hätte es 
die Besinnung auf Eigenart und Autonomie des Kindes und damit den Aufbruch in die 
pädagogische Moderne?" nie gegeben. 
Dazu gehört, dass Eltern - wie Erwachsene generell -- unzweifelhaft als Autoritäten 
figurieren, wobei die Autorität der Mutter emotional, diejenige des Vaters amtlich getönt 
iSt. Entsprechend ist die intergenerative Kommunikation in der Familie: Kinder und 
Eltern gehen im Modus von Liebe, Dankbarkeit und Gehorsam bzw. Respekt Seitens der 
Kinder, im Modus von Liebe, Fürsorge und Weisung Seitens der Eltern miteinander um. 
- Diese Kernfamilie ist ein Muster autoritärer S0zio-emotionaler Bindung; wenn heute 
von „bonding“ in der Familie geschwärmt wird, 50 gebietet der vorliegende historische 
Fall Vorsicht - ich komme unten im vierten Kapitel darauf zurück. 
Um diese Kernfamilie gruppiert Sich das Familienpersonal aus der vorangehenden 
Generation und aus der Geschwisterverwandtschaft: Großmutter, Großvater, Onkel und 
Tante. Mit Ausnahme der Großmutter treten sie in typischen gozialen Familiensituatio- 
nen: zu Besuch oder/ und in den Ferien auf. Die Einzige, die fraglos zum Haushalt und 
damit zur Kernfamilie gehört, ist die Großmutter. Sie ist funktional unentbehrlich: Sie 
erzählt -- dazu haben Vater und Mutter keine Zeit?; Sie entlastet die Mutter; Sie hütet die 
Kinder; Sie erledigt zeitraubende Handarbeiten - Stricken! -; Sie ist mütterliches Vorbild 
(Abb. 3). In dieser Tätigkeit und familialen Funktion ist Sie zum Klischee geworden. 
Man brauchte wohl auch heute noch nur einen Strickstrumpf vorzuzeigen, um die ASS0- 
ziation „Großmutter“ zu wecken. 
Anders der Großvater - er iSt kein Familienrequisit wie die Großmutter. Er wird zum 
einen in der Fibel Selten angesprochen, zum anderen geht oder fährt man ihn besuchen. 
Die auffällige Unterrepräsentanz* mag realistischerweise der gesellschaftlichen Unter- 
repräSentanz der in Frage kommenden männlichen Generation geschuldet Sein?*, wenigs- 
tens Scheint der Großvater in der Familie entbehrlich. Im Bild raucht er Pfeife und Spielt 
„Reiterlein“ mit dem männlichen Nachwuchs; beides aber ist Bildattribut 30wie Vorrecht 
auch des Vaters (Abb. 2 und 4). 
 
Standardsemantik, hier zit. aus: Arbeitsbuch 1941,8.44. 
Körperbild nach reformpädagogischem „Kindchenschema“, vgl. im vorliegenden Text oben, Kap. 2. 
»„Kindlicher* Eigenwille kommt als Unartigkeit vor. ; 
Erziehungshistorisch mit Rousseau zu datieren. 
Außer „Vater erzählt vom Kriege“ - wie auch der Großvater; diesem Standardlesestück geht es freilich 
nicht um eine Familiensituation, Sondern um die Kriegserzählung als Solcher; Sie kann Schlecht von Mutter 
oder Großmutter vorgetragen werden. 
In 29 Fibelausgaben fand ich vier Stellen. 
Früherer Tod; Kriegsverluste (1870; 1914-1918). 
 

	        

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