Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
Abb. 4: Fibel für Niedersachsen [1941], S. 9 
Wie die Sozio-ökonomische und Sozio-kulturelle Darstellung, So ist auch die bildliche 
Darstellung der Fibelfamilie ein Mixtum kompositum, nämlich ein Gemisch von realen 
und idealen Bildelementen. Die Personen Sind in Kleidung und Tätigkeit, die Räume 
Sind in ihrer Ausstattung einerseits realistisch, anderergeits typisierend gezeichnet." 
Auch ästhetisch ist also die „gute“, die deutsche Fibelfamilie ein ahistorisSches Kon- 
Strukt. Dieser Eindruck bestätigt Sich an der in der Fibel präsentierten Erfahrungs- und 
Lebenswelt; Sie ist nämlich vorindustriell und noch nicht in der technischen Moderne 
angekommen. Daran ändern auch die wenigen Tribute an die technische Moderne in den 
LeSestücken und Bildern der Stadtfibeln nichts.?** Welt- und Lebensvorstellung der Fibel 
Sind die eines altbürgerlichen Idylls. Darin herrschen kleinbürgerliche Gesittung und 
wilhelminische Gesinnung. Ihr zentraler Ort ist die Familie. Ahistorisch konstruiert, 
eignet Sie Sich zum zeitlosen Vorbild. 
Dies ist „von oben“, aus Sicht und Interesse der NS-Machthaber, hoch willkommen. 
Mit dem Familienidyll und der Familienideologie (in) der Fibel der Weimarer Republik 
 
Dadurch ist die Bildanmutung einerseits „lebendig', andererseits - besonders dem heutigen Blick - 
wirklichkeitsfremd. 
Bildlich wird diese Modernisierung mehr oder weniger geschickt vorgenommen, etwa werden Straßen- 
bahnen anstelle von oder auch gleichzeitig mit Pferdefuhrwerken im Stadtbild gezeigt, oder ein Auto in 
der Schmiede (!), wo sonst ein Pferd steht (Zirts Berliner Fibel 1935, S. 36), oder ein Flugzeug als techni- 
Sches Spielzeug (Abb. 1); ausführlich bei Miller-Kipp 2006. 
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