Full text: Die Familie im Schulbuch

Eva Matthes/ Carsten Heinze 
Die Familie im Schulbuch. Zur Einführung 
Beunruhigende Zahlen erschüttern die Republik: die Bundesrepublik Deutschland ver- 
fügt über eine der niedrigsten Geburtenziffern in Europa mit der Folge einer rasanten 
„demographischen Alterung“ der Bevölkerung (vgl. Birg 2003, S. 38). Die Hochrech- 
nungen der Demographen und Bevölkerungswissenschaftler lassen die düstersten 
Schlussfolgerungen zu: „die Region der Zukunft“ wird als „verwaistes Land“ bezeich- 
net, und der „Teufelkreis aus Landflucht, Alterung und wegbrechenden Steuereinnah- 
men“ Scheint nicht aufzuhalten zu Sein (Michal/ Steinhilber 2004, S. 106). Das „Schul- 
Sterben“ ist nur ein Indiz für diesen Prozess. 
Inzwischen hat auch die Politik das Problem erkannt. Im April 2005 stellte der ebe- 
malige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Frage „Warum hat es uns So wenig interes- 
Siert und berührt, dass wir in vierzig Jahren von einem Land des Kinderreichtums zu 
einer Republik des Kindermangels geworden Sind?“ (Schröder 2005). Die ehemalige 
Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, initiierte ein Ak- 
tionsprogramm für Familien „Allianz für die Familie“, mit dem Ziel, dass Deutschland 
zum „familienfreundlichsten Land Europas“ werde (vgl. u. a. Bucksteg/ Kaiser/ Leh- 
mann 2005). Derzeit werden verschiedene Initiativen politisch diskutiert. 
Die skizzierte Entwicklung führt zu der Frage: Wird die Familie zu einer Lebensform 
von Minderheiten, jüngst provokativ formuliert von Frank Schirrmacher in Seinem Buch 
„Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft“ (2006): „Wir 
glaubten bisher, unger Spiel mit Elementargewalten beschränke Sich auf die technisch- 
wissenschaftliche Welt [...]. Aber auch die Familie und die verwandtschaftlichen Netz- 
werke, 50 müssen wir jetzt erkennen, Sind Urgewalten mit denen wir gespielt, deren 
Kräfte wir entfesselt haben und deren Kontrolle uns und unseren Kindern zu entgleiten 
droht. Was geschieht, wenn eine Urgewalt einem Minimum entgegenstrebt?“ (Schirrma- 
cher 2006, S. 22). 
Ohne Zweifel braucht unsere Gesellschaft - neben einer gezielten politischen Unter- 
Stützung von Familien - auch eine geistig-gesellschaftliche Ermutigung zur Familie. 
Drei Aspekte Scheinen uns dabei Sehr wichtig zu Sein: 
Familie muss offen definiert werden, etwa im Sinne der Erziehungswissenschaftlerin 
Hildegard Macha: „Wann immer Sich Erwachsene Kindern annehmen und sie dauerhaft 
erziehen und diese Verantwortung Staatlich anerkannt ist, bilden Sie eine Familie“ (Ma- 
cha 1997, S. 19). Diese Definition beinhaltet die Chance, dass auch nichteheliche Le- 
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