Full text: Die Familie im Schulbuch

Familienformen aufgegriffen und es heißt zunächst noch deskriptiv: „Die Form der Fa- 
milie ist immer abhängig von gesellschaftlichen Bedingungen. Sie wird - unter anderem 
- bestimmt durch 1) allgemein anerkannte, überlieferte Vorstellungen von Verlobung 
und Ehe, Eigentum, Verwandtschaft, Rollenverhalten der Familienmitglieder und Erzie- 
hung; 2) die wirtschaftliche und politische Situation; 3) weltanschaulichen (ideologi- 
Schen) Einfluß, zum Beispiel durch die Kirchen“ (S. 98). Dann werden die Aussagen 
allerdings Sehr präskriptiv: „Diese heute als „normal geltende Kleinfamilie wird als 
„natürliche* Form menschlichen Zusammenlebens vielfältig vom Staat gefördert und 
gestützt. In den letzten Jahren werden die Stimmen derer, die Sich kritisch auch mit der 
Kleinfamilie auseinandersetzen, immer häufiger. Die Erfahrungen zeigen, daß die an Sie 
gerichteten Erwartungen in unzureichendem Maße erfüllt werden“ (S. 98f.). Im Folgen- 
den wird kurz noch einmal eine Scheinbare Offenheit Suggeriert: „Die kritisSchen Stim- 
men zur Kleinfamilie überwiegen; ob Sie recht haben? Zur Anregung für Selbstbeobach- 
tungen in Eurem Umkreis ergänzen wir folgend mit einigen handfesten AusSagen über 
den Familienalltag heute“ (S. 99) - hier finden Sich dann Beispiele zu Kindesmisshand- 
lung, zu autoritärem Erziehungsverhalten und ähnlichem - die angeregten „Selbstbeo- 
bachtungen“ Sind gesteuerte! Die Sympathie der Autoren gilt der „'neuen' Großfamilie“. 
„Es gibt - vor allem in Skandinavischen Ländern, in England, aber auch bei uns - heute 
Versuche, die offenkundigen Nachteile der Kleinfamilie durch neue „familiale Formen 
des Zusammenlebens zu vermeiden. Sie entstehen durch freiwilligen Zusammenschluß 
von Mensgchen, ohne daß in jedem Fall biologische Verwandtschaften begründet würden. 
Manche bezeichnen diese Gruppen als „Grofalien? [Sic!], andere nennen Sie „Kommur- 
nen“ (S. 101). 1975 wurde eine vollständige Neubearbeitung des Schulbuchs vorgelegt, 
in dem die Darstellung der Familie eine deutliche Veränderung erfahren hat. Das Kapitel 
heißt nun: „Familie - gestern, heute, morgen“ und ist nun viel wertfreier formuliert. 
Unterschieden werden die „Sippe“, die „große Haushaltsfamilie“ und die „Kleinfamilie“ 
(„Zweigenerationenhaushalt“) (S. 227). 
In politisch urteilen+handeln lesen wir unter der Überschrift: „Die Familie als natür- 
liche Lebensgemeinschaft“: „Trotz neuerer Versuche, durch Wohngemeinschaften oder 
Kommunen der Gefahr der Isolierung zu-entgehen, Setzt Sich die traditionelle Familie als 
kleinste, gesellschaftliche Einheit noch immer durch“ (1976, S. 284) - gegenüber - je 
nach Blickwinkel - der Aufbruchsstimmung bzw. den Aufgeregtheiten zu Beginn der 
70er Jahre ist bereits - wieder je nach Blickwinkel - Resignation oder mehr Augenmaß 
eingetreten. 
In den meisten der aktuellen Sozialkundebücher kann man ein - teilweise fast 
krampfhaftes, zu Übertreibungen neigendes, manchmal auch recht hilfloses und damit 
nicht Selten kontraproduktives - Bemühen erkennen, der Pluralität familiärer Lebens- 
formen gerecht zu werden und zu einer neuen, offeneren, nicht mehr Ehe fixierten Defi- 
nition von Familie zu kommen.? Hierfür einige Beispiele: In Zur Sache Sozialkunde heißt 
 
Eine unauflösliche Verbindung zwischen Ehe und Familie wird allerdings in Gemeinschaftskunde. Ein 
handlungsorientiertes Lernbuch für den Unterricht in Baden-Württemberg betont (vgl. 2003, S. 22ff.). Die 
Ehe wird als Rechtsinstitution ausführlich gewürdigt. Anschließend werden „alternative Lebensformen“ 
„innerhalb der Ehe“ - „Doppelverdiener-Familie“, „Familie mit Hausmann“ und „Wochenend- Familie“ - 
Sowie „außerhalb der Ehe“ - „Leben ohne Partner (Single)“, „Partnerschaft ohne Eheschließung“, „Wohn- 
HIS 

	        

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