Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
Abb. 5: Miteinander - Füreinander 1970, S. 29 
Die im Artikel 3, Absatz 2 Grundgesgetz kodifizierte Gleichberechtigung von Mann und 
Frau kollidierte noch über das „Gleichberechtigungsgesetz“ v. 18.6.1957 hinaus mit 
anders gerichteten Aussagen im Bürgerlichen Gesetzbuch.* Diese Spiegeln Sich auch in 
den Schulbüchern wider: In Miteinander - Füreinander wird in den Auflagen von 1951 
bis 1959 darauf hingewiesen, dass in Zweifelsfällen, wenn die Eltern nicht einig Sind, 
der Wille des Vaters gelte; zur Illustration findet Sich eine Vielzahl von Beispielen. In 
Der Gemeinde-, Staats- und Weltbürger heißt es: „Der Mann erhält das Entscheidungs- 
recht in allen das Gemeinschaftsleben betreffenden Angelegenheiten, wobei er Selbstver- 
Ständlich auf die berechtigten Wünsche der Frau Rücksicht zu nehmen hat“ (S. 21) - 
wobei, 50 könnte man hinzufügen, er entscheidet, welche der Wünsche berechtigt Sind. 
In diesem Buch wird auch der Begriff der „Schlüsselgewalt“ der Frau erläutert: „Die 
Frau ist berechtigt, aber auch verpflichtet, das gemeinsame Hauswesen zu [eiten [...] 
Innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises ist Sie berechtigt, die Geschäfte des Mannes 
für ihn zu besorgen“ (S. 32): 
Ein Plädoyer für die Beibehaltung der skizzierten Rollenzuschreibungen und Aufga- 
benteilungen findet Sich auch in einem der familiensoziologischen Standardwerke der 
S0er Jahre, in dem Band Wandlungen der deutschen Familien in der Gegenwart von 
Helmut Schelsky, erschienen Stuttgart 1955. Die Frau, 50 heißt es bei ihm, heirate nicht 
zuletzt deshalb, „um in wirtschaftlicher und Sozialer Entlastung [...] versorgt zu werden 
und Sich der Familie widmen zu können“ (S. 340). Die häusliche Tätigkeit Sei weit erfül- 
lender als jede Tätigkeit in der industriell-bürokratischen, entfremdeten Arbeitswelt (vgl. 
S. 343). Im Blick auf den geforderten Zugang der Frauen zu leitenden Stellungen sei 
 
Noch im Gleichberechtigungsgesetz von 1957 wurde ein als „Stichentscheid“ gekennzeichneter Entschei- 
dungsvorrang des Vaters im Bereich der elterlichen Sorge definiert; dieser ist durch das Bundesverfas- 
; Sungsgericht 1959 für nichtig erklärt worden (vgl. Hohloch 2002, S. 461f.). 
Bemerkenswert ist, wie Sich Renate Mayntz mit den Argumenten Schelskys auseinandersetzt. Sie tut dies 
vorsichtig und differenziert, aber dennoch klar und zukunftsweisend. Sie räumt ein, dass „die berufliche 
Arbeit für viele Frauen einseitig und monoton iSt, daß Sie in abhängiger Stellung und in einer unpersönli- 
chen Umwelt geleistet wird“ (S. 57) und dass die Familienarbeit in diesem Kontext durchaus mehr Erfül- 
lung bringen kann (ebd.). Gleichzeitig weist gie darauf hin, dass, Selbst wenn die Familienarbeit eine wei- 
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