Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
Zusammenfassende Schlussbetrachtung 
In den Sozialkundeschulbüchern der 50er Jahre wird - wie auch in großen Teilen des 
wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurses - die bürgerliche Kernfamilie als ahistori- 
Sche, naturgegebene und damit dem Wandel entzogene Form dargestellt, die alle anderen 
Lebensformen als defizitär erscheinen lässt. Männern und Frauen werden unverrückbare, 
wiederum naturgegebene Rollen zugeschrieben; der Mann ist zuständig für die Existenz- 
Sicherung der Familie und vertritt diese nach außen, die Frau ist für Haushalt und Fami- 
lienerziehung verantwortlich. Andere Lebensformen von Männern und Frauen können 
vor diesem Hintergrund wiederum nur als defizitär betrachtet werden. Das ideale Zu- 
Sammenleben in der Familie wird als konfliktfrei apostrophiert. Der Autorität auf Seiten 
der Eltern Stehen Gehorsam und Dankbarkeit auf Seiten der Kinder gegenüber. 
Dieses Familienbild - welches in den Späten 50er und in den frühen 60er Jahren den 
Höhepunkt Seiner gesellschaftlichen Durchsetzung erlebt hatte (vgl. Peuckert 2004, S. 9 
u. S. 25f.) - erfuhr - unter impliziten oder expliziten Rückgriff auf die Rezeption der 
kritischen Theorie in den Sozialwissenschaften - in Sozialkundeschulbüchern der 70er 
Jahre in doppelter Hinsicht eine radikale Dekonstruktion: Die behauptete Ahistorizität 
der bürgerlichen Kernfamilie wird durch den Verweis auf Familienformen im Wandel 
und auf die Abhängigkeit derselben von ökonomisch-gesellschaftlichen Verhältnissen 
als Ideologie entlarvt; der Soziale Charakter der Familie wird unterstrichen. Damit wer- 
den auch die überkommenen Rollenzuschreibungen radikal in Frage gestellt. Die bürger- 
liche Kernfamilie wird als eine Familienform dargestellt, die vor allem den Frauen gra- 
vierende Nachteile gebracht hat. Zum zweiten werden Konflikte innerhalb der Familie 
nicht mehr stigmatisiert bzw. bestenfalls als Schnellstens zu überwindende Extremerfah- 
rungen beschrieben (Situation in der Nachkriegszeit!), Sondern als konstitutiver Bestand- 
teil familiärer Existenz betrachtet, die es „partnerschaftlich“ auszutragen gelte. Erzie- 
hung wird teilweise Sehr grundsätzlich problematisiert, bis hin zur Tendenz, Sie zu dele- 
gitimieren. 
: Liest man vergleichend in Schulbüchern der 50er und der 70er Jahre, hat man häufig 
nicht den Eindruck, dass es Sich um Schulbücher ein und desselben Landes handelt. Der 
Mentalitätswandel iSt gravierend. Schulbuchanalysen lassen diesen Sehr plastisch werden 
(vgl. hierzu auch Matthes 2004). 
; UE ME DERI NL R egen zur Familie Setzen die Dekonstruktionen der 70er 
"Ständiich voraus und bauen mit Gelassenheit, ohne Angriffshaltung 
gegenüber der Ja nicht mehr als Sakrogankt geltenden -- bürgerlichen Kernfamilie, 
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