Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
„Familie - wozu?“ 
Die Darstellung der Familie im Wandel 
4.1 Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre: 
Die Familie als „Gegenstruktur zur Gesellschaft“? 
Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre erscheint die Familie in „Sehen - Beurteilen 
- Handeln“ als ein Ort „Wo andere Regeln und Gesgetze gelten“ (N2, S. 17) und „Wo 
man mehr erhält, als man gibt“ (H2, S. 18). Hilligen legt den Schwerpunkt der Darstel- 
lung auf die familienspezifischen zwischenmenschlichen Beziehungen. 
In dem Einstiegstext der Ausgabe für die 7.-10. Klasse verarbeitet Hilligen Erfahrun- 
gen der Kriegs- und Nachkriegszeit und schildert, wie während der Bombenangriffe im 
Zweiten Weltkrieg Mütter ihre Kinder mit dem eigenen Leibe schützten (vgl. A2, S. 17; 
Abb. 1). Im Erlebnistext der Ausgabe für das 5./ 6. Schuljahr wird in einer kurzen Ge- 
Schichte dargestellt, wie eine Tochter ihrer Mutter eine Rechnung für ihre Hausarbeit 
aufstellt, um Geld für den Zirkusbesuch zu erhalten. Daraufhin listet die Mutter Tätigkei- 
ten auf, die Sie für ihre Tochter erledigt hat, in der Spalte für den Betrag vermerkt ie 
jeweils „nichts“ (H1, S. 51; Abb. 2). 
Diese Modellsituationen werden dann unter der Perspektive diskutiert, dass Sich die 
Eltern für ihre Kinder aufopfern und diese eigentlich dafür dankbar Sein müssten. Das 
drückt Sich u.a. in folgenden Fragen aus: „Was bekommen Vater, Mutter und andere 
Menschen dafür, daß Sie 50 Selbstlos handeln?“ (H2, S. 18), „Wie „bezahlt die Mutter 
Schon viele Mithilfen ihrer Kinder, bevor diese überhaupt an Hilfe denken können?“ 
(Hl, S. 52) oder in der Aufforderung unter der Überschrift „Was wir tun können“: „Ü- 
berlegen, wie das Leben ohne Vater und Mutter verlaufen würde.“ (H1, S. 33). Den 
Kindern wird das liebevolle, opferbereite und Selbstlose Handeln der Eltern aufgezeigt, 
welches in der Ausgabe für die 7.-10. Klasse dann exemplarisch für das Selbstlose Han- 
deln in der Gesellschaft Steht: „Auch ausserhalb der Familie gibt es Opferbereitschaft 
... 5 „Man braucht nicht immer gleich das Leben einzusetzen ...“ (HZ 8.211. 
In dem Unterrichtswerk wird ein durch Emotionalität und Intimisierung der Bezie- 
hungen geprägtes Familienbild prägentiert, das implizit an dem Modell der „Hausfraue- 
nehe“ orientiert ist (vgl. den Arbeitsauftrag: „Sich erkundigen wo der Vater arbeitet und 
was er arbeitet“, H1, S. 54). Die Familie erscheint dabei, angelehnt an den gesellschaftli- 
chen Diskurs, als eine Gemeinschaft, deren Sozialbeziehungen Sich von denen der Ge- 
DE NES IN a AER zur Gesellschaft vgl. Rosenbaum 
NGE ea u nn t, ISt es wichtig, zu betonen, daß in der Familie, im 
lich Liebe UED LCHAD, 1 (8 er En eg EEE 4 ne 
SI . EE “ e ; eborgenheit; das Sind Verhaltensweisen, die Sich 
Scheiden. Obwohl die Familie D 0 En DENEN WIN Es 
Raum, innerhalb dessen das Politis h „ef R IP bi IREN INNE 
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zeitig warnt Hilligen die EG, . ve „uy Platz hat.“ (Hilligen 1964, 8. 66.) Gleich 
des Blutes Sich berauschendeſn] es a a 0 »romantisierendeſ[n], am Mythos 
erin MKE; Är erklärung der Familie“ und vor einer „Überschätzung 
aates und Modell aller denkbaren Ordnungen.“ (ebd.). 
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