Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
61). Ein weiteres kritiscches Argument ist das der Erziehung der Kinder zur Kritik an 
ihren Eltern. Ulrich Wangerin verdeutlicht das mit Blick auf die Ausgabe von „Sehen 
beurteilen handeln“ für die 5./ 6. Klasse von 1971 (Gl) folgendermaßen: „Wer Kinder 
ausdrücklich auf den Unterschied zwischen den Lernzielen ihrer Eltern und dem des 
Sozialkundeunterrichts aufmerksam macht - ohne dafür Verständnis zu wecken und auf 
die Pluralität der Meinungen hinzuweisen -, der Setzt Sich dem Verdacht aus, daß er 
Seine eigene Ansicht als Wahrheit versteht und im Sinne dieser Wahrheit auch bereit ist, 
die Kinder gegen ihre Eltern zu erziehen. [...] Wir nennen das Indoktrination und stellen 
die Frage, inwieweit ein Solches Verhalten mit dem grundgesetzlichen gesicherten EI- 
ternrecht vereinbar ist“ (Wangerin 1973, S. 132).“ 
Hilligen und Seine Mitautoren reagierten auf Solche Vorwürfe, ohne die didaktische 
Konzeption grundlegend zu verändern. Sie passten die Schulbuchtexte Soweit an, dass 
eine ZulasSung des Schulbuches zum Unterrichtsgebrauch möglich wurde. 
Z. B. wird das Bild mit der Tafelaufschrift „der Lehrer ist doof“ (G1, S. 50) in den 
weiteren Auflagen der Ausgabe für das 5./ 6. Schuljahr weggelassen (G2, S. 52). Der 
Katalog der Erziehungsziele für die Sozialkunde, den die Schüler mit den Erziehungszie- 
len ihrer Eltern vergleichen Sollten wird angepasst und Stark erweitert, 80 dass einzelne 
Zielstellungen wie z. B. „Mut zum Widerspruch [...] entwickeln“ durch andere wie z. B. 
„Sich in die gegensätzlichen Vorstellungen von Lehrern und Eltern hineinversetzen zu 
können“, relativiert wurden. 
Erziehungsziele der Sozialkunde als Vergleichmaßstab für die Erziehungsziele der Eltern 
1971 
»„“ überlegte eigene Entscheidungen zu treffen. 
- Mut zum Widerspruch zu entwickeln. 
- falls notwendig auch zu protestieren. 
- uneingeschränkt die Meinung zu äußern. 
- Regelungen in Frage zu stellen. 
- daseigene Recht (die eigenen Interessen) durchzusetzen. 
- Sichselbst und Lehrer zu kritisieren.“ (G1, S. 53) 
1976 
»- überlegte eigene Entscheidungen zu treffen. 
- Mut zum Widerspruch zu entwickeln. 
- die Rechte anderer zu achten. 
- falls notwendig auch zu protestieren. 
- ohne Angst die Meinung zu äußern. 
die Folgen eigenen Handelns für das Wohlergehen der anderen zu verantworten. 
Regelungen zu befragen, ob zie notwendig Sind und wem Sie nützen. 
das eigene Recht (die eigenen Interessen) durchzusetzen. 
 
Dieser Vorwurf geht insofern zu wei 
einander zu wecken und gerade nicht 
150 
t, als es das erklärte Ziel Hilligens ist, ein besseres Verständnis für- 
die Kinder gegen ihre Eltern aufzuwiegeln. 
 

	        

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