Full text: Die Familie im Schulbuch

bäuerlicher Umgebung. Eine wichtige Rolle Spielen zudem Märchen, Nationalgeschich- 
te, Militärwesen, Religion und Nationalliteratur. 
Demgegenüber kommt dem Familienbild quantitativ wie qualitativ eine geringe Be- 
deutung zu. Über die Bilderfolge zum Märchen vom Rübeziehen hinaus (S. 9) Sind gene- 
rationSübergreifende Darstellungen von Familienszenen rar und, was ihren Umfang 
angeht, knapp gehalten (Tab. 3): Eine Abbildung zeigt eine Mutter, die dem zur Schule 
bereiten Sohn den Schal bindet (S. 34), in einem mit „Mama“ überschriebenen Text von 
anderthalb Zeilen wird von der Mutter berichtet, dass Sie ein Lied vom Kätzchen Sang, 
und nun alle froh Sind (S. 91). In der prominentesten familienbezogenen Illustration 
besucht ein Elternpaar mit Seinen Kinder die in ländlicher Umgebung lebenden Großel- 
tern (Abb. 5). Eine Familienszene ganz eigener Art Stellt das über zwei Buchseiten rei- 
chende Bild der Geburt Christi dar (S. 198). 
Die außerhäuslichen Rollen der Eltern werden immerhin an zwei Stellen angespro- 
chen: In einem Kurztext wird auf die Berufe der Eltern verwiesen (S. 113), auf einer 
anderen Seite ist der aus dem Bukvar' übernommene Text über die Väter Nadjas und 
Dimas abgedruckt, die als Taucher arbeiten (S. 109). Die dazugehörige Abbildung zeigt 
freilich nicht mehr die dank des beruflichen Einsatzes der Taucher über den Fluss füh- 
rende Eisenbahnbrücke, Sondern eine märchenhaft bunte Unterwasserwelt; die beiden 
Taucher Schwimmen auf eine mit goldenen Pokalen, Kronen und Münzen prall gefüllte 
Schatztruhe zu. Während die Großmutter in der Fibel mit keinem Wort erwähnt wird, ist 
vom Großvater an zwei Stellen die Rede: In einem Fall wird der Buchstabe ü (i kratkoe) 
mit Hilfe des Worts repoli (geroj = Held) eingeführt, illustriert durch eine Gruppe von 
Soldaten, die mit Stahlhelm und Sturmgewehr ausgerüstet Sind (S. 159). Im Begleittext 
heißt es: „Ich habe einen Großvater. Im Krieg war Großvater Soldat. Er hat für Seine 
Tapferkeit eine Medaille bekommen.“ Im zweiten Fall wird Tolstoj mit der Geschichte 
vom Großvater und Seinem Enkel zitiert (S. 143): „Großvater war alt. Einmal wollte er 
auf den Ofen klettern und Schaffte es nicht. Der Enkel war im Haus. Er musste lachen. 
Es ist eine Schande, Enkel. Schlecht ist nicht, dass der Großvater alt und Schwach ist, es 
iSt aber Schlecht, das der Enkel jung und dumm ist.“ 
Im Vergleich zu den wenigen generationenübergreifenden Familienszenen gibt es in 
der Fibel immerhin eine ganze Reihe von Bilddarstellungen, die Kinder im häuslichen 
Umfeld zeigen, Sei es beim Spiel in der Wohnung (S8. 14), auf dem Spielplatz (S. 14) 
oder am Brunnen, Sei es beim Essen (S. 66) oder bei der morgendlichen Wäsche (S. 90). 
Häufiger ist die dargestellte Lebenswelt der Kinder aber auch in eine ländliche Welt der 
Vergangenheit eingebettet: In einer offenen, von einem Bach durchzogenen Dorfland- 
Schaft tummeln Sich Kinder auf der Schaukel, während alte Männer vor dem Hoftor 
Sitzen oder im Bach angeln und weitere Dorfbewohner das Vieh nach Hause treiben oder 
den mit Heu beladenen Pferdewagen lenken (S. 16 f.). Eine andere Abbildung zeigt 
einen Jungen, der nach alter Väter Sitte auf dem Ofen liegt und dabei fröhlich die Flöte 
bläst (S. 186). 
Das Lehrbuch enthält keinen unmittelbar der ganzen Familie gewidmeten Text. 
Gleichwohl wird die Familie mehrfach thematisiert, und zwar wenn es darum geht, auf 
die Einheit von Familie und Nation zu verweisen. So heißt es etwa in einem Lesestück 
mit dem Titel „Russland - meine Heimat“: „Mein Land ist Russland. Wir legen beim 
Haus einen Garten an. Es wird bei uns Pflaumen- und Apfelbäume geben. Alle werden 
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