Full text: Die Familie im Schulbuch

 
ihnen den Schal. Auch wenn Mädchen Kleider nähen oder mit Puppen Spielen und wenn 
mittags gegesSen wird: all dies erfolgt unter den Bedingungen „vergesellschafteter Er- 
ziehung“. Sie nimmt in der Fibel mit insgesamt 14 Bilddarstellungen auch quantitativ 
unter den drei genannten kindlichen Lebenswelten den ersten Rangplatz ein, dicht ge- 
folgt von Darstellungen zum „traditionellen Familienleben“ (Tab. 7). 
Tab. 7: „Traditionelles Familienleben“, „modernes Familienleben“ und „vergesellschaftete Erziehung“ in 
tschuktschischen Fibeln (Anzahl der Bilddarstellungen) 
 
 
 
 
 
Bukvar* Bukvar* 
1977 (F8) 1994 (F 9) 
traditionelles Familienleben 13 15 
modernes Familienleben 11 18 
Kinder in der Schule/ im Internat 14 7 
 
 
 
 
Alt und Jung - Stets im Freien und zumeist im dicken Pelz und in Fellstiefeln - bei der 
Rentierherde, bei der Organisation und Zubereitung von Nahrung, bei der Überlieferung 
von Wissen an die nachfolgende Generation - mit diesen Stichworten Sind zentrale As- 
pekte des „traditionellen Familienlebens“ benannt, wie es in den Abbildungen der 
tschuktschischen Fibel von 1977 dargestellt ist. Während die Frauen für das Essen und 
für die Kleidung zuständig sind (Abb. 8), ist der Umgang mit den Rentieren und auch 
der Fischfang Angelegenheit der männlichen Familienmitglieder. Erfahrene Männer - 
Großväter und Väter -- kümmern Sich um die Rentierherde und besorgen die Nahrung (S. 
58, S. 35, S. 36), gleichzeitig Sind Sie aber auch die „Lehrer“ ihrer Söhne. Der Großvater 
erklärt dem Enkel die in der Gegend wachsenden Pflanzen (S. 51), der Vater zeigt dem 
Sohn, wie man Rentiere einfängt (S. 46, S. 65) und er bringt ihm das Eisangeln bei (S. 
30). Das Fach Holzbearbeitung wiederum ist ganz als training on-the-job organisiert: 
Vater und Söhne fertigen gemeinsam neue Sitzbänke für das Fischerboot an (S. 70). 
Neben diesem traditionellen Familienleben existiert in der Fibel freilich auch - mit 
Rangplatz 3 unter den Alltagswelten der Tschuktschenkinder - ein „modernes Familien- 
DOs m era en Sich kaum von dem in SOwjetrussischen Erstlesebüchern gezeig- 
TD UE as Leben findet weitgehend in der mit technischen Geräten wohlausgestat- 
eten Wohnung Statt, die Kleidung ist ebenso »„europäisch“ wie die Wohnungseinrich- 
tung, und das Wohnzimmer ist auch hier mehrfach die Bühne für das Familiengesche- 
hen: Wenn die Eltern Sich im Sessel ausruhen und der Sohn, ausgerüstet mit Gewehr und 
Fernglas, Soldat spielt (S. 84), wenn die Ki 
überreichen (Abb. 12), | n ie Kinder der Mutter zum Frauentag Geschenke 
haben (8. 63) und GI Oma und Enkelin Sich auf dem Sofa gemütlich gemacht 
KE DUS 4 ater einer uns aus SoWwjetrussischen Fibeln bereits gut ver- 
Se auch mit eine Se . goht - der Zeitungslektüre (Abb. 14). Dass diese Lebenswei- 
ME IE en er Familie getrennten Berufstätigkeit der Eltern einhergeht, lässt 
BETE EEG In aus Illustrationen erschließen, die ein Kollektiv von Fischern 
fabrik (S. 67, S. I" SEE RE (S. 24 f.) und Näherinnen bei der Arbeit in der Kleider- 
Moderne und traditione 
11 ; : EN ; 
Webuktnelinelien Feriiee 6 Lebenswelten wechseln in bunter Reihe miteinander im 
uch ab, und sie lassen gich in der Regel auch klar unterschei- 
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