Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
19 Fällen handelt es Sich um negative Beziehungen, von denen Sieben Mal ausdrücklich 
entfremdete Beziehungen zwischen Kindern und Eltern dargestellt werden, ohne jedoch 
die Ursachen mit zu vermitteln. Dominanzstrukturen Spielen kaum eine Rolle; allerdings 
wird die Berufstätigkeit der Mutter in Sieben Texten zum Problem. Hier kommen unter- 
Schiedliche Wertungen ins Spiel: In einem Fall fühlt Sich die Tochter durch die Berufstä- 
tigkeit der Mutter vernachlässigt und vereinsamt; in einem anderen Fall führt die neue 
Rolle der Mutter, die Sich von der Familie emanzipiert und ihren alten Beruf wieder 
aufgreift, zu einer Verunsicherung bei der Protagonistin (Angstgefühle). In einem ande- 
ren Text degradiert der Vater die Hausfrauentätigkeit der Mutter; der Sohn verteidigt Sie 
dagegen. Zwei Beispiele finden Sich auch mit umgekehrtem Rollenverständnis: Die 
Mutter ist berufstätig und erschöpft von der Arbeit, der Vater ist der Hausmann und gibt 
Sich kooperativ. In drei Fällen ist die Doppelbelastung der Mutter ein kritischer Punkt; 
trotz Kritik der Protagonistinnen Sprechen Sie Sich jedoch für die Berufstätigkeit der 
Mutter aus. 
Die Arbeitslosigkeit des Vaters ist in fünf Fällen Ursache von Konflikten und Störun- 
gen innerhalb von Familien. Der neue Freund der Mutter ist nur einmal Anlass für einen 
Konflikt, ebenso Sind Schulleistungen ein untergeordnetes Thema (zwei Texte). Protest- 
formen der Jugendlichen auf die häusliche Situation und entfremdete Beziehungen drü- 
cken Sich im Drogenkonsum aus (zwei Texte). Gefühle von Einsamkeit und Nicht- 
Verstandenwerden Sind Thema von drei Texten. 
Mehrere Texte in diesen LeSebüchern finden Sich auch in Lesebüchern für andere 
Schulformen, wie z.B. von P. Bichsel „Die Tochter“ oder eine Geschichte von G. Ruck- 
Pauquet über die Folgen der Arbeitslosigkeit des Vaters; ebenso eine Geschichte von J. 
Fröhlich. Einige Texte, die keine Pointe und keinen erkennbaren Konflikt haben, blieben 
in der Untersuchung unberücksichtigt. 
Als Fazit für diese Lesebücher lässt Sich im Vergleich zu den zuvor besprochenen Le- 
Sebüchern festhalten: Überwiegend werden gestörte, entfremdete Beziehungen zwischen 
Eltern und Kindern thematisch; wobei die Hintergründe nicht immer aufgedeckt werden. 
Mangelndes Vertrauen und Sich allein und unverstanden Fühlen bestimmen die Grund- 
Stimmung der familiären Situation. In acht Fällen gind das veränderte Selbstverständnis 
der Mutter, ihre Berufstätigkeit und die Doppelbelastung von Haushalt und Beruf Anlass 
für Probleme in der Familie. Die Arbeitslosigkeit löst nur in fünf Texten die Konfliktsi- 
tuation aus. 
| Wortstark 8 (1997) enthält das Kapitel „Familiengeschichten“, das mit einer Bilder- 
reihe eröffnet wird: Küchenszene, Vater, der die Tochter offensichtlich zur Rechenschaft 
zieht, ein Kinderzimmer und eine moslemische Familie. Texte von T. Pratchett über 
einen Computerfreak, zu dem der Vater kein Gespräch aufbauen kann, von E. Jandl ein 
Gedicht, in dem ein jugendliches Ich Seine Eigenidentität betont gegenüber dem Zu- 
rechtbiegenwollen von anderen. Dasselbe Thema Setzt gich fort über Gedankensplitter 
Jugendlicher mit dem Grundtenor: Ich will nicht Sein, wie ihr mich wollt. Darauf folgt 
von M. Arlt „Müllkippenzimmer“, das die Kollision von Ordnungsvorstellungen von 
Eltern und Kindern zum Gegenstand macht. Ein Zeitungzartikel berichtet über die Mög- 
lichkeiten von Jugendlichen, in Konfliktlagen bei einem Kinderschutzbund anzurufen. 
„Der erste graue Tag“ von M. Feth handelt von einer Oma, die neu in die Familie 
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