Full text: Die Familie im Schulbuch

verbringen will: Dopo /e fatiche dell'anno Scolastico ... vorrei trascorrere le vacanze in 
un luogo tranquillo* (S. 192). Dieser Wunsch wird vom Ehemann Sofort akzeptiert, denn 
er entspricht Seinen eigenen Vorstellungen. Mit der Erlaubnis, Sogar das Nesthäkchen 
Raffaella die Ferien ohne die Eltern bei einer befreundeten Familie auf ISchia verbringen 
zu lassen, demonstriert das Ehepaar eine Liberalität, die es Sonst nicht an den Tag legt.* 
Die Ferienpläne der beiden Älteren untermauern noch einmal das Interesse der Famili- 
enmitglieder an Bildungsgütern. Daniele will mit Klassenkameraden nach München, wo 
er Schon einmal anlässlich eines Schüleraustauschs war, und dann weiter a guardare ... 
l'affresco piu bello e piu grande mai dipinto da un italiano! (S. 193) - gemeint sind die 
Fresken Tiepolos in der Würzburger Residenz. Marilena will mit ihrem Freund Luca ins 
Veneto, um u.a. die Villen Palladios und moderne Architektur zu besichtigen. 
2.2 Decouvertes Serie bleue für den Schulischen Französischunterricht 
Auch die Autoren des ein Jahr nach Capito erstmals aufgelegten Lehrwerks für Franzö- 
SiSch Decouvertes Serie bleue," das in Bayern vornehmlich für den Lehrgang „Franzö- 
SiSch als zweite Fremdsprache* genutzt wird," greifen auf das Mittel der didaktischen 
Personalisierung zurück, um fremdkulturelle Lebensweisen transparent zu machen. Im 
Gegensatz zu Capito konzentriert Sich der erste Band des Lehrwerks jedoch nicht auf 
eine Familie. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die drei weißen Familien Rigot, Lacroix 
und Noblet. Dazu kommen /es Said, die maghrebinischer Abstammung Sind. Das Leben 
der vier Familien, die alle das traditionelle Bild einer intakten Kleinfamilie Spiegeln, ist 
v.a. durch die Kinder - /es copains de la rue Daguerre - vernetzt. 
Durch die Einbeziehung der in Frankreich stark vertretenen Gruppe der Nordafrikaner 
gibt das Lehrwerk die ethnische und kulturelle Vielfalt der franzöSischen Gesellschaft 
wieder. In der Darstellung des Zusammenlebens bleibt Decouvertes allerdings auf einer 
idyllisSchen Ebene, denn weder die freundschaftlichen Beziehungen der Kinder noch die 
Äußerungen der Erwachsenen lassen die in der französischen Gesellschaft nicht nur 
latent vorhandenen Konflikte zwischen Franzosen unterschiedlicher ethnischer Herkunft 
anklingen. 
Der Realität auch keineswegs ganz entsprechend, erfährt man nur von ökonomischen 
Problemen der Immigranten. Die Familie Said muss den Bankrott ihres Lebensmittelge- 
Schäfts befürchten, 50 dass Sich Gespräche im Wesgentlichen um Existenzsorgen drehen. 
Die Kinder Ahmed und Yasmina helfen deswegen im Geschäft mit, um den Lebensstan- 
dard zu Sichern und die drohende Geschäftsaufgabe abzuwenden. Die Kinder der weißen 
franzöSischen Familien haben dagegen keine derartigen Pflichten. Obwohl Hinweise auf 
den finanziellen Hintergrund der einzelnen Familienverbände nur Sporadisch Sind, 
Scheint es bei den Rigot, Lacroix und Noblet keine finanziellen Probleme zu geben. Sie 
 
* Dt.: Nach den Anstrengungen des Schuljahres würde ich die Ferien gern an einem ruhigen Ort verbringen. 
* Die Grenzen ihrer Vorurteilslosigkeit zeigt z.B. die Weigerung der Mutter, der Tochter eine modische 
Jacke zu kaufen, weil Sie glaubt, es Sei eine Punkerjacke (S. 73). 
1 Dt.: um das Schönste und größte Fresko, das jemals von einem Italiener gemalt wurde, anzuschauen. 
Die Seitenangaben beziehen Sich i.F. auf Beutter 1994. 
In manchen Schulen auch für Französisch als erste Fremdsprache. 
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