Full text: Die Familie im Schulbuch

 
Beachtenswert Sind zum anderen die indirekten Hinweise auf eine partnerschaftlich 
orientierte Lebenseinstellung der französischen Paare. So zeigt Decouvertes 2.B. das 
gemeinschaftliche Arbeiten von Vater und Mutter Rigot bzw. Noblet in der Küche (8. 
37, 38 u.ö.) und verzichtet damit, anders als Capito, auf eingleisige Rollenzuweisungen 
in der Erwachsenenwelt. 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Abb. 4: Eltern Rigot in der Küche (S. 37) 
Das Französisch-Lehrwerk bricht zudem die in Capito vorhandene Stereotypisierung der 
Kinder auf. Eine Abbildung visualisiert z.B., wie die Lehrwerk-Figur Nathalie aus Freu- 
de am Spiel zum Fußball greift (S. 25), und ein Text demonstriert, wie Sie Rechte in der 
Familie einklagt, die ihrem wenig älteren Bruder zugestanden, ihr aber verwehrt werden, 
was Sie als ungerecht empfindet (S. 38f.). Auch durch Verweise auf geschwisterliche 
Reibereien (z.B. S. 46ff.) rückt Decouvertes näher an familiäre Realitäten. In Capito 
Stiftet allein der Quälgeist Raffaella eine gewisse Unruhe. 
3 Zusammenfassung und Bewertung 
Aus der Untersuchung ergibt Sich, dass trotz immanenter Unterschiede in den zwei re- 
präSentativ herangezogenen Lehrwerken die traditionelle Familie als Wert vorherrscht. 
In beiden Lehrwerken dominieren intakte Kleinfamilien mit Vater, Mutter, Kind(ern). 
Während in Capito andere Familienmodelle nicht auftauchen, lässt D&couvertes zumin- 
dest im zweiten Band eine alleinerziehende Mutter agieren. Auch wenn Italien in Hin- 
blick auf Familien mit einem Elternteil, unehelichen Kindern und Scheidungsquote un- 
terhalb von Frankreich und Deutschland liegt (vgl. Ginsborg 1994, S. 284ff.), vermittelt 
eine Konzentration auf Solche Sozialen Konstellationen in einem Schulbuch ein einseiti- 
ges Gesellschaftsbild. 
 
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