Full text: Die Familie im Schulbuch

men* und Zuverlässigkeit“. Diese Sozialen Tugenden galten als Bedingungen familiären 
Wohlstandes. Damit Sich dieser einstellen konnte, mussten bekämpft werden: Aufbrau- 
Sen, Dieberei, Nachlässigkeit, Neid, Schlechtes Betragen, Streiterei, Unachtsamkeit, 
Unbesonnenheit, Unfriedlichkeit, Ungeduld, Ungehorsam, Unordentlichkeit, Unsauber- 
keit, Verlogenheit, Zänkerei und Zwietracht. Die Befolgung dieses trivialen Normenko- 
dexes Sollte den Familien Wohlstand und Zufriedenheit bringen. Alle Energie war auf 
das rechte Wirtschaften, auf Arbeitsamkeit und auf das Haushalten mit den vorhandenen 
Mitteln zu richten. Es galt weiter als Ziel, das Vorhandene zu erhalten und zu vermeh- 
ren. So Sinnvoll alle diese Aspekte auch Sind, die Frage nach einem Herauskommen aus 
der verbreiteten weitgehenden Mittellosigkeit der niederen Schichten wie besonders der 
Kleinbauernfamilien und der Tagelöhner war 50 nur Schwer zu lögen. Hierzu bedurfte es 
entsprechender Hilfestellung von außen, d.h. durch die Obrigkeiten, die diese jedoch 
während des 18. Jhs. noch kaum anbieten konnten. Der erste Schritt zur Steigerung der 
Leistungskraft war die Bekämpfung der Sich während der zweiten Hälfte des 18. Jhs. auf 
dem Land wegen der Armut ausbreitenden Verwahrlogung. Die VerfasSer der Lesebü- 
cher Sahen es als erste Erziehungsmaßnahme an, die Kinder zu einem guten Sozialver- 
halten innerhalb der Familie anzuhalten (Sieh unten Kap. 3.2). Diese Erziehungsaufgabe 
oblag nach den Lesebüchern hauptsächlich den Müttern, während die Väter primär 
Sachkenntnisse zu übermitteln hatten. Entscheidend für Erfolg oder MissSerfolg von 
Individuum und Familie war der kluge Einsgatz von Kräften und Mitteln wie ein Soziales 
Verhalten im Umfeld. 
Letztlich wurde den Armen gepredigt, dass jeder allein durch die „Erfüllung göttli- 
cher Pflichten Sein wahres Wohl und Seine Zufriedenheit in allen Fällen des Lebens“ 
erreichen könne, dass er nur bei einer gesetzlichen Ordnung, Arbeitsamkeit, Häuslichkeit 
und durch eine vorzügliche Geschicklichkeit in Seinem Gewerbs- und Wirtschaftsfache 
jenen Wohlstand erwerben werde, den der Arme unaufhörlich und billig Suche, dass er 
Sich und Seine Familie nur durch Solche Eigenschaften und Tugenden (=Tüchtigkeiten) 
in einen gesicherten Wohlstand versetzen könne. „Man flöße ihm die Begierde ein“, über 
die „Vervollkommnung“ Seines „Gewerbes“ nachzudenken, über die Steigerung Seiner 
Leistung“. 
Die Texte der Lesgebücher verneinen, dass der Wohlstand des Einzelnen oder einer 
Familie vom Sozialen Stand abhängt, und geben vor, jeder könne unabhängig von der 
Zugehörigkeit zu einer Sozialen Schicht Glück und Zufriedenheit für Sich und Seine 
Familie erreichen. 
 
5s Vgl. Friedrich Philipp Wilmsen „Der Deutsche Kinderfreund“, 16. Auflage, Berlin ca. 1808, Kap. 8; 
Bacher, Bartholomeus: Der Mädchenfreund, München 1825, Kap. 11; Riecke, J. J., und Völter (Ng.): Der 
Kinderfreund, 2., verbesserte Auflage, Stuttgart 1805, Kap. 71. 
57 Hoppenstedt, A. L. (Hg.): Der Kinderfreund, 5., verbesserte Auflage, Hannover 1834, Kap. 23. 
3 Hoppenstedt, A. L. (Hg.): Der Kinderfreund, 5., verbesserte Auflage, Hannover 1834, Kap. 27. 
5» Hoppenstedt, A. L. (Hg.): Der Kinderfreund, 5., verbesserte Auflage, Hannover 1834, Kap. 26f., 29, 39, 
67; Thieme, Karl Traugott: Gutmann, 1.-2. Theil, 3., verbesserte Auflage, Leipzig 1802/ 03, S. 269. 
59 Hoffmann, Friedrich: Der christliche Kinderfreund, 2. Auflage, Halle/ S. 1833, Kap. 12. 
S1 Westenrieder, Lorenz von: Sämtliche Werke, 16. Bd., Kempten 1833 (osef Köselsche Buchhandlung), 
S>48: 
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