Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
chen Debatten Familienkindheit in den 1950er Jahren Signifikant Stärker betonen, wird 
Familienkindheit in den Deutschschweizer Lesebüchern in den 1940er und 1980er Jah- 
ren häufiger genannt (vgl. Tabelle 1). 
In Lesebuchgeschichten, die in den 1980er Jahren aufgenommen wurden und die eine 
Familienkindheit beschreiben, die ausschließlich im häuslichen Umfeld im Umgang mit 
der Mutter stattfindet, äußerten die Kinder deutlich ihre eigene Meinung. Dies zeigen 
beispielsweise die Geschichten „Martin gibt sein Urteil ab“ von Manfred Hausmann" 
oder „Die Maus“ von Paul Wehrli“. Beide Geschichten Stammen aus Werken, die in den 
1940er Jahren veröffentlicht wurden. Hausmann beschreibt, wie eine Mutter Sorgfältig 
Pudding auf Sechs Teller verteilte und danach ihren Sohn fragte: „Wer hat nun zu we- 
nig?“ Und Martins Antwort lautete: „Alle“ (vgl. Muntwyler 1983). Martins Urteil bildet 
den Kern der Geschichte. Es gelingt ihm, mit einem Wort zugleich philosophisch und 
kulturkritisch eine umfassende Aussage zu machen. Ebenso Scheint es in der Geschichte 
„Die Maus“ der Sohn zu Sein, der ein empfindsames Herz für die Maus hat und ihr auch 
noch zu essen gibt, während die Mutter die Maus einfach fangen und töten wollte. Auf- 
grund des Mitleids des Sohnes wird die Maus am nächsten Tag im Freien ausgesetzt. 
Wie in Wehrlis Geschichte waren Kinder, welche im Rahmen des Konzeptes „Fami- 
lienkindheit“ beschrieben wurden, Sowohl in den 1940er als auch in den 1980er Jahren 
Sehr oft mit Pflanzen und Tieren beschäftigt. Bei Berücksichtigung aller Familiendarstel- 
lungen“ der Lesebücher der 1980er Jahre waren dies vorwiegend in die Vergangenheit 
blickende, bäuerlich ländliche Idyllen. Der Begriff der Natur hat spezifische Konnotatio- 
nen, die in diesem Zusammenhang nicht vernachlässigt werden Sollten. In neuzeitlichen 
Vorstellungen wurde der Naturbegriff mechanisiert, indem die Natur zu einem Begriff 
für die Totalität des Seins, in deren Ordnung Sich auch die Ordnung Gottes offenbarte, 
verwendet wurde. So wie dies auch Jean-Jacques Rousseau 1762 formulierte: „Tout et 
bien Sortant des mains de l'auteur des choses et tout degenere entre les mains de 
l'homme“ (vgl. Rousseau 1969, Vol. XV, p. 58). In der Natur kann Sowohl Heiligkeit als 
auch Vorbildlichkeit gefunden werden, womit Sich auch immer wieder eine Idee der 
Erneuerung verbinden lässt (vgl. Tremp 2005, S. 80). 
In den Geschichten der 1940er Jahre war die Mutter für die Kinder stets helfend zur 
Stelle. Sie rief die am Fluss Spielenden Kinder zum Essen (vgl. Lesebuchkommission 
1942, „Das Rindenschiffchen“), Sie löSchte von Kindern entzündete Brände (vgl. ebd., 
„Bescherung vor Weihnachten“) und half umsichtig den Pflanzen in ihrem Wachstum, 
damit diese kranke Kinder erfreuen konnten (vgl. ebd., „Fünf aus einer Hülse“). Ander- 
Seits war die Mutter wichtig für die Erziehung der Kinder. Sie lehrte Sie, anständig zu 
bitten, wenn Sie etwas wollten (vgl. Metzger 1947, „Bitte“) und der Mutter für ihre tägli- 
 
Manfred Hausmann (1898-1986) war schon in Seiner Schulzeit in die aus dem Wandervogel entstandenen 
Jugendbewegung eingetreten und war auch 1913 bei der Gründung der „Freideutschen Jugend“ auf dem 
Hohen Meißner dabei. Die Erlebnisse und Ideale der naturverbundenen Jugendbewegung spielen Später in 
manchen Werken Hausmanns eine wichtige Rolle (vgl. Bautz 1999, Band XVI, Spalten 643ff.). 
Paul Wehrli war ein Stadtzürcher Sozialdemokratischer Autor und Schrieb mehrere Kinderbücher, die 
zwischen 1940 und 1966 erschienen. | 
In dieser Analyse wurden alle Darstellungen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt, die Kinder in 
der Interaktion mit Familienmitgliedern beschreiben. 

	        

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