Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
ger als Erziehende und mehr als Verbündete der Kinder dargestellt werden, kann durch 
diese Form eine besondere Nähe der Mutter zu ihren Kindern betont werden. Durch ihr 
Verständnis, 80 Scheint es, ist es der Frau viel leichter möglich als dem Mann, auf die 
Kinder einzugehen und auf Sie einzuwirken. Nach der Klage über die Abwesenheit der 
Väter in der Erziehung der Kinder, welche in den 1960er Jahren in allen Quellen zu 
finden war, wurde der Vater in den Lesebüchern zwar in den Familienalltag mit einbe- 
zogen, aber nicht als ein erziehendes, Sondern als ein Störendes Element. Die Mutter 
wurde nun nicht mehr als Hüterin der Sittlichen Ordnung beschrieben. An ihre Stelle 
traten im Lesgebuch oft die Großeltern. Auch in den Darstellungen der Beziehungen zwi- 
Schen den Großeltern und ihren Enkeln konnten wesentliche Veränderungen in den letz- 
ten 120 Jahren erkannt werden. Doch darauf Soll in diesem Rahmen nicht mehr einge- 
gangen werden. 
Die Veränderungen der Vorstellungen von Kindheit, Jugend und Generationenbezie- 
hungen, die in der statistischen Analyse aufgezeigt werden konnten, liegen vor allem 
darin, dass heute das Bedürfnis und der Schutz des Kindes Sowie die Verantwortung der 
Gesellschaft für die Kinder viel Stärker hervorgehoben werden als vor 100 Jahren. Der 
„Schutz“ des Kindes ist die eine Seite des Gegensatzpaares „Schutz“ versus „Autono- 
mie“ des Kindes. Wenn die Präambel der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 aus- 
führt, dass die Menschenrechte auch auf die Kinder anzuwenden Seien, dass Kinder als 
gleichwertig angesehen werden, bekommen Kinder den Status von Mensgchen mit glei- 
chen Rechten und gleichem Wert wie Erwachsene, Sozusagen einen autonomen Status 
(vgl. Gerber Jenni 2003, S. 281). Aus diesem Grunde hätte erwartet werden können, dass 
in den untersuchten Quellen der Gegensatz „Autonomie“ Seit den 1980er Jahren Stärker 
betont werden würde. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die deutliche Betonung von Familie 
hat auch die Aspekte des Schutzes verstärkt. Als die Parlamentarier 1996 über den Bei- 
tritt der Schweiz zur UN-Kinderrechtskonvention befinden mussten, geschah dies nur 
unter Vorbehalten. Einer dieser Vorbehalte betraf die elterliche Sorge. Befürchtet wurde, 
dass durch die einzuführende Staatliche Schutzpflicht, welche die Wahrnehmung der 
Kinderrechte durch einen Vertreter ermöglicht, Konflikte zwischen Kindern und Eltern 
nicht mehr nur innerhalb der Familie ausgetragen würden. Einige Parlamentarier gahen 
darin einen Schaden für das Kind durch zu frühe Autonomie, einen Schaden für die 
Familie durch das Suggerieren eines grundsätzlichen Konflikts zwischen Kind und EI- 
tern und eine massive Aushöhlung des Elternrechts auf Erziehung (vgl. Amtliches steno- 
graphisches Bulletin 1994, S. 1682). Andere wiegen zwar darauf hin, dass es gerade in 
Familien einen erschreckend hohen Anteil an Gewalt und Sexueller Ausbeutung gäbe 
und der Staat gefordert Sei einzugreifen, um das Kind vor Verletzung Seiner Integrität zu 
Schützen (vgl. Amtliches Stenographisches Bulletin 1994, S. 1684). Doch auch durch 
Solche Aussagen wehrten die Vertreter des Parlamentes einen Anspruch auf Autonomie 
mit den Hinweis auf die Schutzbedürftigkeit der Kinder ab. An Stelle von mehr Freihei- 
ten Schaffen die Staaten mehr Gegetze, welche die Kinder Schützen Sollen. Dieser Schutz 
Soll weitgehend in der Familie und durch die Mütter gewährleistet werden, wie die De- 
batten um den Familienschutz der 1990er Jahre zeigten. 

	        

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