Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
Bild Situativer Hintergrund aller intimen häuslichen Szenen, von denen es in den Fibeln 
wimmelt. 
Fibeln wären von daher geeignet, die Familie im intimen häuslichen Bereich und im 
SoZial-moralischen Milieu zu beobachten. Für die realhistorische Aussage wird dabei ein 
Synchrones Abbildungsverhältnis zwischen der Familie im Schulbuch, hier in der Fibel, 
und dem gesellschaftlichen Tatbestand „Familie“ unterstellt. Eben das ist fraglich. Das 
Verhältnis zwischen „Fibelfamilie“ und Familienrealität kann auch gebrochen, die Dar- 
Stellung der Familie in der Fibel kann historisch rückwärts- oder vorwärtsgewandt, kann 
nostalgisch oder utopisch, kurzum: es kann ideologisch Sein. Zur Klärung dessen wären 
Absicht und Funktion des Schulbuchs, hier der Fibel, kritisch zu befragen. Titel und 
Leitthema des vorliegenden Bandes „Die Familie im Schulbuch“ haben also zwei Seiten, 
man kann Sich die Familie oder man kann Sich das Schulbuch als Zweck der Darlegung 
vornehmen. 
Mir geht es um Schulbuchgeschichte - mein Interesse gilt dem pädagogischen und 
politischen Funktionieren der Fibel, damit dem gesellschaftspolitischen Zusammenhang 
von „Familie“ und „Schulbuch“. Für dessen Analyse nehme ich die Darstellung der 
Familie in den Fibeln des „Dritten Reiches“ vor. Die Familie war ein zentrales gesell- 
SchaftspolitisSches und propagandistisches Agitationsfeld der Nationalsozialisten. Man 
darf daher vermuten, dass Sie Sich der Darstellung der Familie insbesondere in den Lese- 
büchern versicherten. An den diesbezüglichen Vorschriften oder Nicht-Vorschriften, 
Eingriffen oder Nicht-Eingriffen wäre insofern ein Stück Schulbuchpolitik ebenso zu 
erkennen wie ein Stück Familienideologie. Die Passung oder die Differenz zwischen 
NS-Familienpropaganda, Lesebuchdarstellung und realen Familienverbhältnissen Sagt 
über die ideologische Nähe oder Distanz des Lesebuches zur Politik und über Seinen 
Abstand zur Wirklichkeit aus; der Zugriff auf das Legebuch zeigt die ihm unterstellte 
oder die mit ihm beabsichtigte mentale und Sozialisatorische Wirkung an. Beidem Soll 
hier für den Schulbuchfall „Fibel“ nachgegangen werden. 
Dazu will ich zunächst meine Quellenbasis und die vorliegende Forschung zu Fibeln 
des „Dritten Reiches“ Skizzieren (1), dann die lebensweltliche Darstellung der Familie in 
diesen Fibeln (2) Sowie ihre personale und pädagogische Ordnung beschreiben (3), um 
die Funktion der Familiendarstellung in der „Fibel“ des „Dritten Reiches“ im Herr- 
SchaftsSystem des „Dritten Reiches“ historisch-kritisch zu betrachten (4); zuletzt wende 
ich mich dem bildungspolitischen „Kampf“ um das Lesebuch und der offenen Frage 
Seiner pädagogischen Wichtigkeit und Wirksamkeit zu (5). 
 

	        

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