Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
gegeben, waren Seinerzeit freilich Schon von den führenden Schulbuchverlegern erwartet 
worden. Daher hatten Sie 1934 und 1935 in Konkurrenz zu einander von Sich aus ein- 
Schlägig angepasste Fibeln herausgebracht. De facto gab es weder eine „radikale“ Um- 
gestaltung der Fibel noch eine „radikale“ Fibelpolitik, im Gegenteil: Die Fibel - wie 
auch die Volksschule - wurde durch die zuständige Reichsbehörde“, das ReichSserzie- 
hungsministerium (REM), politisch vernachlässigt." Das indiziert Desinteresse. Dem 
Herrschaftsinteresse des NS-Staates war offenkundig mit den „von unten“ vorgenomme- 
nen Modifikationen und Ergänzungen der vorliegenden Fibeln und mit der Reduzierung 
des Fibelbestandes* ausreichend gedient. Die dort in Text und Bild präsentierte Lebens- 
wirklichkeit und pädagogisch-moralische Gesittung war dem System offenkundig ge- 
nehm. Das Schließt gerade die Präsentation der deutschen Familie ein, wie ich im fol- 
genden zeigen will. 
2 Matriarchalisches Familienidyll 
Mit einem eigenen Textstück „Die Familie“ ist die Familie nach meinen Recherchen nur 
in der Zimmermannschen Fibel vertreten, dem Fibelwerk der Zwischenkriegszeit und der 
auch im „Dritten Reich“ verbreitetsten deutschen Fibel*. Im übrigen ist die Familie im 
Hintergrund des textlich oder bildlich dargestellten häuslichen Lebenszusammenhangs 
der Kinder präsent und wie Selbstverständlich gegeben. Die Fibel konstruiert Sie wie 
folgt: 
„Das ist die Mutter, lieb und gut/ das ist der Vater mit frohem Mut, 
das ist der Bruder Stolz und groß, 
das ist die Schwester mit dem Püppchen auf dem Schoß, 
das ist das Kindchen, klein und zart/ das ist die Familie von guter Art.“ 
Das ist die Familie, wie Sie die deutsche Fibel holzschnittartig und Stereotyp malt, und 
zwar in ungebrochener Tradition vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik der 1950er 
Jahre. In der Zwischenkriegszeit „Kindgemäß“" dargeboten, ändert Sich dies Bild bis auf 
oberflächliche, der politizchen Wende geschuldete Retuschen?, auch im „Dritten Reich“ 
 
Institutionalisiert mit dem „Gesetz zur Neuordnung des Reiches“ vom 30. Jan. 1934: damit ging die Zu- 
Ständigkeit für die Zulassung von Lehr- und Lernmitteln von den Ländern auf das Reih über. 
Richtlinien für den Unterricht in der Volksschule gab es vergleichsweise Spät (1937), eine Fibelrichtlinie 
gab es nie; detaillierte Darstellung des ganzen Komplexes bei Miller-Kipp 2006. ; 
1936 existierten nur noch ca. 60 Fibeln, in 1938 zählte man 38 genehmigte Fibeln, von denen 32 bzw. 31 
in die Schulen kamen (Kleinschmidt 1997). ; j 
Verfasser: der Hamburger Lehrer und nachmaliger Schulbuchautor Otto Zimmermann: erste Ausgabe 
(„Hansa-Fibel“) 1914; preisgekrönte Ausgabe von 1921 („Elemelemu“); allgemeine KUSPABE 1935: Hand 
ae us eH Sind mindestens 29 Heimatausgaben verzeichnet, vgl. Kleimselngät 1997; 
istler » dort auch die einzelnen , ichnis i i 
MARKISE LEISES Auflagen; vgl. Quellenverzeichnis im vorliegenden Text. 
Dazu im vorliegenden Text unten, Kap. 2. 
Z. B. Hakenkreuze oder Hakenkreuzwim 
ILIA pel(chen) im häuslichen Milieu (auf [Kriegs]Spielzeug, Lampi- 
 

	        

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