Full text: Die Familie im Schulbuch

 
 
 
 
 
Abb. 2: Deutsche Kinderwelt 1942, S. 63 
Das ideale Konstrukt hat reale Fallstricke. So wie vorgezeigt, kann diese Familie alltäg- 
lich und tagsüber gar nicht stattfinden: Sie ist ja nur beigammen, „wenn der Vater heim- 
kommt“, abends von der Arbeit oder, ab 1940, auch von der Front. Nach dem Abendbrot 
aber müssen die Kinder in der Regel ins Bett - bleiben für familiäres Miteinander der 
Sonntagsausflug und die Ferienzeit - entsprechende kleine Legestücke liegen hier und da 
in der Fibel vor. Der Standarddarstellung nach aber und wie im wirklichen Alltagsleben 
kommt die Familie in der häuslichen Welt der Fibel ohne Vater aus! Sie ist auf eine 
matriarchale Kernfamilie reduziert, im Widerspruch zur öffentlich-rechtlichen Konstruk- 
tion der Familie, die patriarchalisch ist. Die Fibel huldigt mithin dem häugslichen Alltag 
und der Lebenswelt der Kinder. Darin dreht Sich alles um die Mutter - das konnte der 
Gesellschafts- und Geschlechterpolitik des „Dritten Reiches“ nur recht Sein. 
Die matriarchale Konstruktion der Familie Spannt Sich über die Generationen. Wie 
der Vater, 50 Scheint auch der Großvater entbehrlich, nicht aber die Großmutter. Sie wird 
Stets in für Tochter/ Schwiegertochter und Enkeltochter vorbildlicher häuslicher Funkti- 
on ins Bild gerückt (Abb. 3).
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.