Full text: Physik : 6. bis 8. Schuljahr (1951)

 
 
nissen. Die auf der Grundlage der gesellschaftlichen Praxis gewonnene Erkennt- 
nis erfährt ihre Bestätigung wiederum durch die Praxis, durch die Anwendung in 
der Produktion und durch das Experiment. 
Auch im Unterricht werden den Schülern die Erkenntnisse im Anschluß an die Er- 
fahrungen vermittelt. Vorherrschend ist im Unterricht — insbesondere in der 
Grundschule — das induktive Verfahren, das, von beobachteten Einzelfällen aus- 
gehend, durch Verallgemeinerung und Abstraktion von den zufälligen Besonder- 
heiten zum Erkennen der Gesetzmäßigkeiten führt. Wird das deduktive Verfahren 
angewendet, so muß sein Ergebnis ebenfalls durch den Versuch bestätigt werden. 
Das Experiment und die Beobachtung, die die Schüler in ihrer Umwelt anstellen, 
bilden die Grundlage und den Mittelpunkt des physikalischen Unterrichts. 
Beim Zurückgreifen auf eigene, früher gemachte Erfahrungen darf nicht vergessen werden, daß die Schüler 
an ein gewissenhaftes und sorgfältiges Beobachten noch nicht gewöhnt waren, sondern zu diesem erst durch 
den Unterricht erzogen werden. Dementsprechend werden auch die aus solchen Beobachtungen resultierenden 
Vorstellungen die Wirklichkeit meist nur bedingt richtig widerspiegeln. 
Da sie unter den verschiedensten Umständen entstanden sind und die Schüler noch nicht Wesentliches vom 
Unwesentlichen unterscheiden konnten, sind sie vielfach von bedeutungslosen Nebensächlichkeiten überdeckt. 
Darum müssen diese Vorstellungen durch den Versuch bestätigt und ergänzt werden. 
Ein Versuch wirkt um so überzeugender, je einfacher die Mittel sind, mit denen er 
durchgeführt wird. Sein unterrichtlicher Erfolg ist in hohem Maße von dem Um- 
fange abhängig, in dem die Schüler dabei mitwirken können. Dies ist bei Ver- 
suchen mit einfachen Mitteln weit eher möglich als bei der Verwendung kompli- 
zierter Geräte. Versuchsanordnungen mit Aufbaugeräten haben im Gegensatz zu 
denen mit fertigen Geräten den großen Vorzug der Wandelbarkeit. Sie bieten 
schon aus diesem Grunde der Selbstbetätigung der Schüler einen weiten Spielraum. 
Versuche sind grundsätzlich so anzulegen, daß dabei den Schülern Gelegenheit 
gegeben wird, bei der Entwicklung und Zusammenstellung der Versuchsanord- 
nung sowie bei der Durchführung des Versuchs selbst denkend und handelnd mit- 
zuwirken. Man wird die Versuchsanordnung nach Möglichkeit nicht fertig vor die 
Schüler hinstellen, sondern sie vielmehr erst im Laufe des Lehrgespräcs auf 
Grund der Vorschläge der Schüler vor ihren Augen unter ihrer ständigen Mit- 
wirkung entstehen lassen. Nur in besonderen Fällen, zum Beispiel wenn eine Fein- 
einstellung notwendig ist, die Übung voraussetzt oder Zeit in Anspruch nimmt, 
oder wenn es sich um Geräte handelt, die man ungeübten Schülerhänden nicht gern 
überläßt oder deren Handhabung unter Umständen eine Gefahr für die Schüler 
bedeutet, wird man von dieser Norm abweichen. Wo es möglich ist, sollen die 
Schüler einzeln oder in kleinen Gruppen selbst Versuche ausführen. Die Ver- 
suche haben, je nach dem Zweck, dem sie dienen, besonderen Charakter. Es sind 
zu unterscheiden: 
a) Einführungsversuche: Sie dienen dazu, das Interesse der Schüler auf bestimmte 
physikalische Zusammenhänge zu lenken beziehungsweise ein bestimmtes 
Problem herauszustellen. 
b) Überraschungsversuche: Eine Abart der Einführungsversuche, bei denen das 
Überraschungsmoment ausgenutzt wird, um das Interesse auf einen bestimm- 
ten Gegenstand oder Vorgang zu lenken. 
c) Erkenntnisversuche: Sie folgen den Einführungsversuchen und führen zum Er- 
kennen gesetzmäßiger physikalischer Zusammenhänge zwischen den Erschei- 
nungen, zwischen denen auf Grund der Einführungsversuche eine gegenseitige 
Abhängigkeit vermutet wird. Sie stellen den wichtigsten Typus physikalischer 
Schulversuche dar und sind die Grundlage für jede induktive Unterrichts- 
methode. Sie können qualitativ und quantitativ durchgeführt werden. 
 

	        

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