Full text: Lehrplan für den Chemieunterricht der Vorbereitungsklassen 9 und 10 zum Besuch der Erweiterten Oberschule (präzisierter Lehrplan)

Die Erarbeitung eines vereinfachten korpuskularen Atommodells erfolgt unter 
energetischen Gesichtspunkten ohne spezielle Vorleistungen des Faches Phy- 
sik; der Energiebegriff ist den Schülern jedoch aus dem Physikunterricht der 
Klassen 7 und 8 bekannt (Klasse 2: mechanische Energie; Klasse 8: Wärme- 
energie). 
Die im Chemieunterricht auf dem Gebiet der Materiestruktur gewonnenen 
Kenntnisse werden vom Fach Physik in der zweiten Hälfte des 9. Schuljahres 
aufgegriffen und mit besonderer Orientierung auf den Atomkern bzw. auf 
elektrische Leitungsvorgänge weitergeführt. 
Dem Chemieunterricht obliegt demgegenüber, dem Fassungsvermögen der 
Schüler angemessenes exaktes Wissen über den Bau der Elektronenhülle zu 
vermitteln und die Bedeutung der Valenzelektronen für die Eigenschaften und 
das reaktive Verhalten der Stoffe herauszuarbeiten. Die damit verbundenen 
vertieften Einsichten in die Struktur der Atome und Moleküle werden auf 
die Erklärung chemischer und elektröchemischer Redoxprozesse angewendet. 
Am Beispiel der Atombindung mit partiellem Ionencharakter und der koor- 
dinativen Bindung dienen sie ferner der Deutung von Übergangsformen che- 
mischer Bindungszustände. 
Wesentliche Verbindungen zum Fach Physik ergeben sich auch bei der 
Einführung in die Reaktionskinetik und die chemische Gleichgewichtslehre. 
Im Physikunterricht der Klasse 8 erwerben die Schüler grundlegende Kennt- 
nisse über die kinetische Wärmetheorie; Wärme wird als Molekularbewe- 
gung in festen, flüssigen und gasförmigen Körpern gekennzeichnet. Nach 
Übertragung dieser Vorstellungen auf homogene gasförmige chemische Sy- 
steme wird es möglich, im Chemieunterricht die Ammoniaksynthese und die 
Herstellung von Schwefelsäure unter Anwendung der chemischen Gleichge- 
wichtslehre und des Prinzips von Le Chatelier-Braun auf physikalisch-chemi- 
scher Grundlage exakt zu untersuchen. 
Die Aussagen über den Aufbau von Reaktionsräumen und die Wirkungsweise 
technischer Aggregate werden dabei auf diejenigen Merkmale beschränkt, die 
sich aus den theoretischen Grundlagen des Verfahrens ableiten lassen. 
Da das sachliche Bildungsgut dieser Klassenstufe weitgehend der allgemeinen 
und physikalischen Chemie angehört, werden verhältnismäßig hohe Anforde- 
rungen -an das Abstraktionsvermögen der Schüler gestellt. Zur Sicherung op- 
timaler Unterrichtsergebnisse sind deshalb geeignete methodische Maßnahmen 
erforderlich. Dies gilt vor allem für den Einsatz von Lehr- und Lernmitteln. 
So ist bei der Behandlung der Stoffeinheit „Atombau — Periodensystem der 
Elemente — chemische Bindung“ die Verwendung von chemisch-theoretischen 
Modellen unerläßlich. Den Schülern muß dazu in altersgemäßer Form bewußt 
gemacht werden, daß derartige Modelle kein vollständiges Abbild der, Rea- 
lität darstellen. Sie sind vielmehr als naturwissenschaftliche Arbeitsmittel 
aufzufassen, die auf einer bestimmten Stufe der Naturerkenntnis eine spe- 
zielle Seite des Objektes widerspiegeln und, damit im Bereich der Atom- und 
Molekülstrukturen die Möglichkeit bieten, den diskontinuierlichen Feinbau der 
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