Geſundheitspflege. 149 
Wirbelſäule, Dieſe Rüdgrat8verkrümmungen waren einſt das Geſpenſt, 
das man in den Schulen mit ihren ſchlehten Shulbänken erbli>te, Dieſelben 
kommen aber notoriſch häufiger bei den Mädchen, als bei den Knaben vor, 
was nicht ſowohl den Schulbänken , als der durc< die weiblichen Handarbeiten 
bedingten Körperhaltung zuzuſchreiben iſt, In der neueſten Zeit hat man ge- 
funden, daß die Sache nicht nur nicht jo arg ſei, als Guillaume es beſchrieb, 
ſondern auch daß ein geringer Grad von Verfrümmung (Skolioſe) faſt regelmäßig 
vorfomme. Überdies hat ein ſchottiſcher Arzt ſhon 1863 nachgewieſen, daß die 
Eingeweide der rechten Seite wenigſtens 15 Unzen ſc<hwerer ſind, als die der 
linken Seite, und iſt es ſeither ſehr wahrſcheinlih geworden, daß die normale 
Krümmung der Wirbelſäule naH rechts durc< die ungleiche Verteilung des Ge- 
wichtes der Eingeweide bedingt wird. (Hermann Meyer, Die Statik und 
Mechanik des menſ<lihen Knochengerüſtes. Leipzig 1873. X 8, 50 45.) 
So hat auch dieſes Schred>bild viel von ſeiner Furchtbarkeit verloren. Ja es 
giebt ſogar Ärzte, welche die Skolioſe von Unregelmäßigkeiten in der Aufeinander- 
folge der verſchiedenen Wachstumsperioden der Rippen ableiten und Sc<ule 
und Haus von jeder Verſchuldung freiſprechen. 5) Kurzſichtigkeit. Dieſes 
Übel iſt der Gegenſtand der ſorgfältigſten Unterſuchung geweſen , hauptſächlich 
von Seiten des Prof. Dr. Hermann Cohn in Breslau, der zu folgenden 
Reſultaten kommt: 1. Es giebt keine Schule ohne kurzſichtige Schüler. 2. Jn 
den Dorfſ<hulen giebt e8 nur wenige Myopen. 3. In den Stadtſ<hulen ſind 
8mal mehr Kinder myopiſch, als in den Dorfſhulen (durchſchnittlich 11,4 %/;). 
4. In den ſtädtiſchen Elementarſchulen findet man 4--5mal mehr Myopen, 
als in den Dorfſhulen. 5. Höhere Töchterſchulen ſind reicher an Myopen, 
als Elementarſhulen (dur<ſ<nittlih 7,7%/5). 6. Auf den Mittelſhulen iſt 
mehr als der zehnte, auf den Realſchulen faſt der fünfte und auf den Gymnajien 
mehr als der vierte Teil der Kinder kurzſichtig (10,3?/53 19,7% 43; 26,2 %/5). 
7. Auf den höheren Anſtalten exiſtiert keine Klaſſe ohne Myopen. 8. Durc- 
ſchnittlich ſind in allen Schulen in den oberſten Klaſſen mehr Myopen, als in 
den unteren. In den Realſchulen iſt z. B. die Hälfte der Primaner, in den 
Gymnaſien mehr als die Hälfte der Primaner kurzſichtig. 9. Es giebt doppelt 
ſoviel ?/, myopiſher Knaben als Mäd<<hen in den unterſuchten Schulen. 10. Nach 
Lebensjahren findet in allen Schulen eine ſtetige Zunahme der Myopen ſtatt. 
11. In den Realſchulen und Gymnaſien zeigt ſich unverkennbar eine Zunahme 
des Grades von Myopie von Klaſſe zu Klaſſe. Hervorgerufen wird die 
Myopie hauptſächlich durc< ſ<lehte Körperhaltung beim Schreiben verurſacht 
durH ungeeignete Subſellien, durch den Gebrauch von Leſebühern mit ſ<lechtem 
Papier, kleinem Dru, allzugrelle oder ungenügende Beleuchtung. Wenn 
irgend eine Krankheit in Verbindung mit dem Unterricht3leben ſteht, jo iſt es 
die Kurzſichtigkeit, aber au<h hier ſind nicht alle Ärzte einig. So z. B. 
behauptet Dr. Claſſen in Hamburg, daß die Kurzſichtigkeit na< dem zwölften 
Jahre des Kindes zunimmt ; es ſei dies nicht etwa eine Folge der Anſtrengung 
des Kindes, ſondern lediglich im Wachstum des Auges begründet, das nach 
der Geburt vom zwölften Jahre an wieder beginne. Scle<te Ernährung, 
verfümmertes Licht, ſhlec<hte Luft, Erbanlage = das ſeien die Urſachen krant= 
hafter Kurzſichtigkeit. (Allgem. Deutſche Lehrerz. 1882. Nr. 21). -- Ohne 
nun die Behauptungen von Dr. Cohn zu unterſchäßgen und die von 
Dr. Claſſen u. a. zu überſhäßen, darf doc< bemerkt werden, daß die Ver- 
hältniſſe in den einzelnen Shulen doc<ß nicht ſo verſchiedene ſind, daß die 
große Verſchiedenheit in den Zahlen ſich erklären läßt. Anderſeits ſind die 
häuslichen Verhältniſſe oft wirkli) geeignet, die Kurzſichtigkeit zu befördern ; 
denn da findet man gerade viele von den Übelſtänden, denen in der Scule 
das Erzeugen der Kurzſichtigkeit zugeſ<rieben wird, als da ſind: tiefes Herab=- 
büFen zur Arbeit, unbequemes Sißen, ſc<lehte Beleuchtung, wozu no<h
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.