Heſſen. =- Holland. -- Jdioten und Jdiotenanſtalten. 183 
erkennen auch die Befürworter der obligatoriſchen Fortbildungsſchule an, daß ſie 
an vielen Mängeln leide und ſehr verbeſſerungsbedürftig ſei. Aber dieſelben 
betrachten die jeßzige obligatoriſche Fortbildungsſchule nur als einen Übergangs- 
zuſtand oder als Vorſtadium für einen organiſchen Verband mit der Volks- 
ſchule oder mit anderen Worten, ſie erwarten eine verlängerte Schulzeit. 
S. d. A. Fortbildungsſhule. =- 1881 waren 6 Gymnaſien mit zuſammen 
141 Lehrern, welche in 78 Klaſſen 2450 Schüler unterrichteten. Von dieſen 
Schülern gehörten 1584 der evangeliſchen, 510 der römiſch - katholiſchen, 329 
der israelitiſc<en und 10 anderen Konfeſſionen an. Das für die Gymnaſien 
aufgewendete Schulgeld betrug zuſammen 1387,442,50 X --- Realſchulen gab 
es in obigem Zeitraume in Heſſen zuſammen 16 und zwar vier erſter und 
zwölf zweiter Ordnung mit zuſammen 197 Lehrern, welche in 133 Klaſſen 
7484 Schüler unterrichteten ; von leßteren gehörten 3174 der evangeliſchen, 
795 der römiſch-katholiſjhen, 13 der alt-fatholiſc<hen, 38 der deutſ<-katholiſhen, 
692 der israelitiſ<en und 20 anderen Konfeſſionen an. Das für die Real- 
ſchule aufgewendete Schulgeld betrug 239,070,43 -& Der Staatsaufwand 
für das Volksſ<hulweſen beträgt für 1883 715.210 AX, nämlic<: Bei- 
trag zu den Koſten des Seminar8 zur Ausbildung von Lehrerinnen 
für das höhere Lehrfa< an die Stadt Darmſtadt 4000 X, Scullehrerſemi- 
nar zu Friedberg 34,400 X, Sc<ullehrerſfeminaxr zu Ben8heim 28,130 X, 
desgleihen zu Alzey 26,540 -X&, Lehrerpräparanden-Anſtalten zu Lindenfels, 
Lich und Wöllſtein 22,240 „X, Beſoldung von 18 Kreisſc<hulinſpektoren (durh- 
ſ<hnittlich 3600 -X&) 64,800 X, Beiträge zur Beſoldung der Volksſhullehrer 
(Zuſchüſſe an bedürftige Gemeinden , Dienſtalterö3zulagen , Zuſchüſſe an den 
Scullehrerpenſionsfond) 525,000 X, für den Turnunterricht 8600 ZF, für 
den Zeichnenunterriht 1500 -& Der größere Teil der Koſten fällt jedoch 
den Gemeinden zur Laſt. -- Der Ludwig- und Alice-Verein zählt 1394 Lehrer als 
Mitglieder, hat heute ein Vermögen von 69,781 X und zahlte im verfloſſenen Jahre 
an die Hinterbliebenen von 26 verſtorbenen Mitgliedern die Summe von 3120 -% 
als Sterberente. =- Nach dem unlängſt ausgegebenen ſiebenten Rechenſhafts- 
bericht der Verwaltung des Lehrerwaiſenſtiftes für das Großherzogthum Heſſen 
pro 1880 hat ſich die Zahl der Mitglieder dieſer Stiftung anſehnlich vermehrt 
und haben fich die regelmäßigen Beiträge derſelben von 473 X, 68 dJ. auf 
613 X, 81 3. erhöht. Die Einnahmen beziffern ſic<ß auf 3338 X, 26 <., unter 
ihnen ſind einmalige Gaben 1445 FF, 70 43. jährliche Beiträge 778 HX, 81 4), 
von Sparkaſſen 425 X, aus Kirchenkaſſen 70 -&, Bonificationen 147 X, 50 5. 
Die Unterſtüßungen, welche in Beträgen von 15 bis 100 X verabreiht wer- 
den, betragen 1000 X gegen 750 X im vorhergehenden Jahre. Der Kapital- 
ſtoF hat eine Höhe von 9885 X, 70 43. erreicht; von ihm wurden 1800 -& 
neu ausgeliehen ; die Einnahme betrug im verwichenen Jahre 363 -F&, 86 <). 
Seit längerer Zeit wird die Vereinigung der Ludwig= und Aliceſtiftung mit dem 
Lehrerwaiſenſtift angeſtrebt, allein bis jeßt noh ohne Erfolg. Die bis 1875 gelten- 
den Geſeße und Verordnungen ſind in einer amtlichen Aus8gabe zuſammengeſtellt. 
Holland, ſiehe Niederlande. 
I. 
- „Idioten und Jdiotenanſtalten (Bd. 11, 508). Die Sorge um die Jdio- 
ten iſt in der neueſten Zeit geſtiegen, ſeitdem die Bevölkerungsaufnahmen nach- 
gewieſen haben, daß die Zahl dieſer unglü>lichen Geſchöpfe zunimmt. So ex- 
gab die Volkszählung von 1871 ſchon 50,481 Blödſinnige , 1879 aber wur- 
den 54,519 Blödſinnige und 1917 Blödſinnige , welche zugleih Jrre waren, 
gezählt. E8 hat de8halb auch der Verein deutſher Jrrenärzte auf ſeiner lehten 
Verſammlung (1881 in Frankfurt a. M.) folgende Reſolutionen angenommen :
	        

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