79 Chile. 
Sculſaale müſſen ſic< ferner befinden : eine Uhr, eine Weltkarte, eine Karte von 
Amerika, eine von Chile und eine Wandtafel. Der Schulbeſuch iſt koſtenfrei 
und erhalten die Schüler no< die Bücher ; Schulzwang exiſtiert keiner, weil 
ni<t durchführbar. Der Gehalt des Lehrer8 beträgt monatlih 30 Peſos 
a KW 3, 70 d., wozu no< Alter8zulagen kommen. Die Beſoldung ſoll an= 
ſtändig ſein und ſeien die <ileniſchen Lehrer beſſer geſtellt, als die preußiſchen, 
was aber höchſtens von den an den öffentlichen Sculen angeſtellten Lehrern 
gelten kann. Wie aber alle Südamerikaner, ſo ſind auch die Chilenen höchſt 
unempfindlich gegen die Vorteile des Unterrichtes und die Kinder kommen ſehr 
unregelmäßig. Ein deutſcher Lehrer ſchreibt aus La Union, die Knabenſchule 
daſelbſt trage auf der Scülerliſte die Namen von 80 Schülern, von denen 
etwa 8 das ganze Jahr hindur<h, 20 vielleict 8--9 Monate die Schule be- 
ſuchen, die übrigen monatelang, ſelbſt das ganze Jahr fehlten. Es ſollen viele 
Prüfungen, monatliche und jährliche, und alle öffentlich ſtattfinden, allein bei 
einem ſo ſchlechten Beſuch ſcheint uns nichts anderes möglich zu ſein, als was 
dieſer Berichterſtatter ſagt: „Der Lehrer kann bei den jährlihen Sculprü- 
fungen, die nicht er, ſondern ein Kommiſſionsmitglied vornimmt, nur wenige 
Paradepferde vorführen , während die Mehrzahl ſtumm und dumm dafitt.“ 
Cine höhere Elementarſchule (höhere Knaben- und Mädchenſchule) ſollte es in den 
Hauptorten der 56 Bezirke geben, doch errichtete man ſtatt 112 bis jeht nur 
24. Es ſorgen vier Seminare für Lehrerbildung, und zwar eins für Lehrer 
und drei für Lehrerinnen. Die Zulaſſung erwirkt man ſich durc<h eine Prüs 
fung in einer der 15 Rrovinzialhauptſtädte. Die Lehrgegenſtände dieſer Semina=- 
rien find die der höheren Volksſchulen und betreffen Franzöſiſch, Phyſik, Chemie, 
Muſik, theoretiſc<e und praktiſ<e Pädagogit. Im Jahre 1878 gab es 1369 
Volksſi<ulen mit 87,238 Kindern. Davon waren 806 Staat8=, 563 Privat- 
ihulen. Die höheren Schulen beſtehen aus 17 Gymnaſien (coleges oder 
Iycees) und lehren Lateiniſch, Franzöſiſch , Engliſch , allgemeine Geſchichte und 
Spezialgeſ<ichte von Chile und Amerika, Philoſophie, Litteratur und Litteratur- 
geſchichte, phyſiſche und aſtronomiſche Geographie, Phyſik, Chemie, Mathematik, 
Zeichnen, Naturgeſhihte und Buchhaltung. Die Lyceen von Coguimbo 
(Kokimbo) und Copiago, mitten in den Bergwerködiſtrikten liegend, haben beſon=- 
dere Lehrſtunden für Phyſik und Chemie für di.je Induſtrie , Valparaiſo, als 
Haupthandelsplat, hat Lehrſtunden für Handelswiſſenſchaften, San Jago bevor= 
zugt Litteratur und klaſſiſ<e Studien (Sprachen) und Conception hat Lehr- 
ſtunden für Recht8= und Ingenieurwiſſenſchaft. Man zählte 1878 an dieſen 
höheren Schulen 4315 Schüler und am Nationalinſtitut zu Santiago 1052. 
Die Univerſität teilt ſich in 5 Fakultäten , Recht8wiſſenſ<haft, Medizin und 
Chirurgie , Bau = und Jngenieurwiſſenſchaft, Theologie und Philologie, welche 
unter Leitung des Rektors und der 5 Dekane ſtehen. Es ſtudierten 1878 die 
Rechte 378, Medizin 346, und die anderen Wiſſenſchaften 38 Studenten, alſo 
im ganzen 762. Die Kirche unterhält auf ihre Koſten und unter Aufſficht 
der Biſchöfe 6 beſondere theologiſche Lehranſtalten, wozu der Staat jährlich 
158,000 Frcs. beiſteu*rt. Seit 6 Jahren beſteht eine landwirtſchaftliche 
Lehranſtalt mit 27 Zöglingen, welche Felder, ein <emiſche3 Laboratorium , ein 
Obſervatorium , einen botaniſchen Garten, Weinberg, Wald, Pepiniere , Mu= 
ſeum für Getreide und Tierkrankenhaus beſit. Die techniſche Schule (Gewerbe=- 
ſchule) zählt 75 Schüler, die kein Schulgeld zahlen und aus den beſten 
Schülern der öffentlihen Schulen ausgewählt werden. Hier werden die 
Marine - Jngenieure gebildet. Die Kunſtakademie beſteht aus Abteilungen für 
Malerei, Bildhauerei, Baukunſt und Muſik. Talentvolle Schüler werden auf 
Koſten des Staates in Europa weiter ausgebildet. Dieſe Akademie zählte nur 
55 Schüler, das Konſervatorium für Muſik dagegen 582 (451 Jünglinge, 131 
Zungfrauen). Für die Militärakademie, deren Beſuch unentgeltlich iſt, zahlt der
	        

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