74 China. 
Höhe oder Tiefe der Ausſprac<e aber bedentet es nun „Biene“, „ſpinnen“, 
„wohlbeleibt“, „Segel“, „Naht“. Kurz die Sache iſt ſo ſchwer, daß die Chine- 
ſen ſehr oft zum Screiben ihre Zuflucht nehmen müſſen, weil ſie ſich mit 
ihrer armen Sprache nicht verſtändigen können. Aus dieſer Crklärung der 
Sprache kann man ſich leicht denken, daß es in einer Chineſenſ<hule noch weit 
ärger hergehen muß, als in den bei un3 ſo verrufenen „Judenſchulen“. Die 
Kinder müſſen eben eigentlih immer ſingen lernen, und weil die <ineſiſchen 
Schullehrer der Anſicht ſind, daß das beſſer geht, wenn alle zuſammen lernen, 
jo ſeßt das ein heillojes Geſchrei ab. (Kath. Miſſionen 1875. Beil. Nr. 1.) 
Da3 erſte Buch, welches man den Kindern giebt , iſt eine Art Encyklopädie 
über alle Kenntniſſe, welche die Wiſſenſchaft der Chineſen ausmachen ; es heißt 
Sanßte=-King. Man ſpricht darin von der Natur, von den verſchiedenen Er= 
ziehungsweiſen , von der Wichtigkeit der geſellſchaftlihen Pflichten, von den 
Zahlen und ihrer Entſtehung, von den drei großen Mächten, von den vier 
Jaireszeiten, von den fünf (?) Hauptpunkten, von den fünf Grundſtoffen, von 
den fünf Haupttugenden, von den ſec<s Getreidearten, von den ſec<s Arten 
von Daustieren, von den ſieben Hauptleidenſchaften, von den acht Muſiknoten, 
von den neun Graden der Verwandtſchaft, von den zehn Pflichten, von den 
akademijchen Studien, von der Weltgeſchichte, von der Reihenfolge der Herrſcher= 
familien und zulebt von der Notwendigkeit und Wichtigkeit des Studiums, -- 
Für das gewöhnliche Volk beſchränkt fich der Schulbeſuch auf zwei, drei oder 
vier Jahre. Dies genügt, um einen Brief leſen zu lernen und ein Haus2- 
haltungsbuch führen zu können, aber es genügt nicht, um einen Brief ſchreiben 
zu lernen. Das Rechnen erfordert nicht viel Kopfverbrechen3, da das Volk ſich 
meiſtens der Zähltafeln bedient. Den Geſang pflegt man faſt gar nicht, da 
das <inefiſche Ohr deinſelben Feind zu ſein ſcheint. Nie hört man eine 
„Stauensperſon fingen. Mit dem ſittlichen Unterricht beſchäftigen fich die <ine- 
fichen Schulen gar nicht. Das Kind lernt blos, was es im Leben braucht, 
alfo hauptſächlich Leſen und Schreiben. Die Mädchen werden gar nicht unter= 
richtet, nur hier und da trifft man auf eine unterrichtete Frau. C3 giebt 
öffentliche und Privatſchulen. Die öffentlihen Schulen ſind Sache der Ge- 
meinden, der Staat unterſtäüßt den Elementarunterricht nict im geringſten. 
Gewöhnlich giebt's in den öffentlichen Schulen 20-40 Schüler, während die 
Privatichulen ſelten mehr als 10 Zöglinge zählen. In den Privatſchulen, 
welche von fünf oder ſechs Perſonen desſelben Stadtviertels unterhalten und 
von einem tüchtigen Lehrer geleitet werden, iſt die Erziehung natürlich eine weit 
betiere, als in den öffentlichen Schulen. Die meiſten Lehrer ſind verunglückte 
Studenten, welche entweder die Prüfungen zur Aufnahme in die Gelehrtenkreije 
nicht beſtanden, oder ihre Hilfsmittel vor der Zeit erſchöpft haben und mht 
zur Handarbeit zurückkehren wollen, anch im Handel ihre Kenntniſſe nicht ver- 
werten können. Jhr Gehalt hängt von einer Menge von Umſtanden ab; zu 
Kanton erhält ein Lehrer, welcher etwa zwanzig Schüler in einer Klaſſe hat, 
monatli< von jedem zwei bis vier Mark. Auf dem Lande erhält er jährlich 
zwölf , jechzehn bis zwanzig Mark, nebſt einem drei- oder viermaligen Geſchenkt 
von Obſt und Gemüſe. Die Privatlehrer erhalten jährlich 600 bis 1400 X 
je nach den Bedingungen, welche ſie angenommen haben. Die tägliche Schulzeit dauert 
von Sonnenaufgang bis 10 Uhr; na<hdem die Kinder dann gefrühſtü>t haben, 
wird bis 5 Uhr nachmittags gearbeitet. Für die Arbeiter und während des 
Tages beſchäftigten Angeſtellten giebt es Abendſ<hulen. -- Die Abgeſhloſſenheit, 
welche ſo ſtreng von China aufrecht erhalten worden, iſt aber in der neueren 
Zeit ſhon dadurc< gebrochen worden, daß ſo viele Chineſen auswandern von 
denen viele nach einer Reihe von Jahren, wenn ſie etwas in Amerika, oder 
Auſtralien erſpart haben , wieder heimkehren. War e38 früher den Chineſen 
verboten , die Fremden in der <ineſiſchen Sprache zu unterrichten, ſo wurde
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.