Full text: Die 95 Thesen Dr. Martin Luthers

 
URA (92 2200 
denen er einen Mißbrauch des Ablaß zu finden meinte. Von 
dieſen mutwilligen und frechen Worten wollen wir darum nächſte 
Stunde Genaueres hören. 
II. „Die predigen Menſchentand, die da ſagen, daß, Jo: 
bald der Groſchen in den Kaſten geworfen, flinget, die 
Seele aus dem Fegefeuer fahre.“ (Theſe 27.) 
A. Wiederholung: 
Die vorige Stunde hat uns um 400 Jahre in der Zeit zurück= 
verſeht. Die wichtigſten Ereigniſſe aus dieſem Zeitraum werden 
heute no<hmal3 zuſammengefaßt. Dann aber ſtellen wir in den 
Mittelpunkt unſerer Aufmerkſamkeit wieder den 31. Oktober 1517, 
jenen Tag in Wittenberg, welcher der Geburtstag der Reformation 
wurde, Veranlaßt aber wurde Luther zu dem Anſchlag ſeiner Streit- 
ſäge, wie wir geſehen haben, durch die „mutwilligen und frechen 
Worte“ Tetzels. Von dieſem ſollt ihr jeht Genaueres hören. 
B. Schilderung: 
1. Es war etwa im Jahre 1510, da geriet die Einwohner- 
ſhaft der Stadt Annaberg im Erzgebirge in große Aufregung. 
War doc<h wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitet worden, der 
Ablaßprediger Johann Tekßel wolle am anderen Morgen dort ein- 
treffen. =- In feierlihem Gange zogen am andern Vormittage Rat 
und Bürgerſchaft, Mönche, Prieſter und Nonnen, Lehrer und Schüler, 
allerlei Vereine von Männern und Frauen mit Fahnen und bren- 
nenden Kerzen feierlich ſingend dem Ablaßprediger entgegen, um 
ihn in den Ort einzuholen. Alle Glo>en der Kirc<hen läuteten. Als 
Tezel mit ſeiner Begleitung und mit dem Geldkaſten zu Wagen 
vor dem Tor ankam, ſtieg er mit den Anderen vom Wagen und 
ſetzte ſich an die Spitze des Zuges. Ein breites rotes Kreuz mit 
des Papſtes Wappen und ein ſammetne3 Kiſſen mit dem Ablaß- 
briefe des Papſte3 irug man ihm voran. Alle, die ihm entgegen- 
gegangen waren, ſchloſſen ſic an. Der ganze Zug begab ſich zu- 
erſt in eine Kirche, wo gebetet und eine Meſſe geleſen wurde. Dann 
309g man aus der Kir<he in die Räume eines großen Hauſes. In
	        

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