Full text: Der heilige Franziskus

 
1285 4 4600) 21008 
So erſcheint die Tat Hugolino8, der im Jahre 1230 als Papſt 
Gregor IX. das Teſtament aufhob, nicht als ein Akt der Pietät- 
loſigkeit, ſondern als ein durch die Entwi&lung der franzisfaniſchen 
Gemeinſchaft notwendig gewordenes Ereignis. Der Orden ging 
ſeinen Weg über das Teſtament hinweg, wie er ihn gegangen war 
über die Regeln von 1210 und 1221. Bei einem Teil der Minder- 
brüder aber blieb die Erinnerung an die Zdeale der Frühzeit 
lebendig, und die Kämpfe der folgenden Jahre ſind nur eine Fort= 
ſezung des Ringens um die Reinheit der franziskaniſchen Idee, in 
dem ſchon der Heilige ſelbſt geſtanden hatte. Im Jahre 1239 
gelang es der ſtrengeren Richtung, den ſeit 1232 als General an 
der Spiße de8 Ordens ſtehenden Elias, weil er das unter den 
Brüdern eingedrungene Weltförmigkeitsſtreben in rükſichtsloſer Weiſe 
begünſtigte, zu ſtürzen. Einen Sieg der radikalen Gruppe bedeutete 
freilich auch das nicht, es behielten bei den nächſten Generalats- 
wahlen die Gemäßigten die Oberhand. Der Friede kehrte erſt 
wieder in der Bruderſchaft des Franziskus ein, als am Ende des 
13. Jahrhunderts die Spirituales oder Zelatores mit Genehmigung 
Coeleſtins V. ſich vom Hauptſtamm löſten, um unter dem Namen 
der Coeleſtiner-Eremiten eine ſelbſtändige Gemeinſchaft mit eigenem 
General zu bilden. 
Kavyitels: 
Vom Leid und der Luſt des heiligen Franz. 
Die Wiederholung von Kapitel 4 beginnt mit einer Aufzählung der 
Momente, die aus der franziskaniſhen Familie den Minoritenorden er- 
wachſen ließen. Sodann folgt eine vergleichende Charakteriſierung der ver- 
ſchiedenen Regeln und des Teſtaments wie eine kurze Zeichnung der Organi- 
ſation des Ordens. Ein zuſammenhängender Bericht der Schülerinnen wird 
hier nicht gefordert. = Darauf kündige ich das Thema der 5. Stunde an: Vom 
Leid und der Luſt des heiligen Franz. Die Schülerinnen nennen ſofort als 
Urſache der Seelenſ<merzen des Franziskus den Werdegang ſeiner Gemein-= 
ſhaft, ſie erkennen die Unentſchloſſenheit in ſeinem Verhalten der Orden83- 
entwilung gegenüber und finden au< den Grund derſelben in der Zwie- 
ſpältigkeit ſeines Charakters. Franziskus iſt Kirhenmann und Prophet 
zugleich (Abſag 3 und 4 des Teſtaments). Zunächſt verſucht er, beiden 
Seiten ſeines Weſens gerecht zu werden mit dem Rüctritt vom Jahre 1220. 
Damit hatte er ſeiner Perſon die religiöſe Selbſtändigkeit gewahrt, ſein
	        

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