Full text: Der heilige Franziskus

Dramen bei Gaudig „Didaktiſche Präludien“ S. 53ff.). Als Bei- 
ſpiele dieſer Art der Selbſttätigkeit ſehe man Kapitel 1, 3, 4 und 
6 des vorliegenden Heftes ein. =- Sollte dieſe Arbeit am einzelnen 
Punkt nicht auch der beſte Weg ſein zum Verſtändnis der großen 
Linien? Beim Studium der Kirchengeſchichte auf der Univerſität 
verſchaffen wir uns die hiſtoriſche Schulung in der quellenmäßigen 
Erarbeitung einzelner Fragen, und der ſo geſchärfte hiſtoriſche Blik 
vermag dann auch jene Abſchnitte zu durc<ſchauen, die ihm nur aus 
ſekundären Darſtellungen bekannt ſind. I< ſehe keinen Grund, 
warum dies für den Studenten giltige Geſeß mutatis mutandis 
nicht auch für den Seminariſten ſein Recht behalten ſollte. =- Dieſe 
Arbeit des Intellekt8 gilt uns als der rec<te Weg zu einer ver- 
ſtandesmäßigen, wahrhaft geſchichtlichen Auffaſſung unſerer <riſt- 
lichen Religion, einer Auffaſſung, die da begreifen lehrt, wie jede 
Zeit immer von neuem um ihre Form des religiöſen Lebens ringt 
und ringen muß, die aber auch warnen wird vor der Gefahr des 
bloßen Kopieren-Wollen38 und vor dem ſinnloſen Nachſprechen fremder 
Wahrheiten. Wir halten dieſe Verſtande3arbeit darum für not= 
wendig im Religionsunterricht, wir verlangen aber neben ihr von 
unſeren Schülerinnen eine zweite, die Arbeit der gefühlsmäßigen 
Aufnahme, des Nacherlebens. Mit Recht ſagt Kabiſ< „Wie lehren 
wir Religion“ Göttingen 1912. S. 206, daß das religiöſe Organ 
die Phantaſie iſt. Auf die Phantaſie aber wirkt in erſter Reihe 
die Schilderung und Erzählung. So behalten auch dieſe ihr Recht 
in unſern Religionsſtunden bis in die erſte Seminarklaſſe und die 
Oberprima hinein. Die Schülerinnen ſind in dieſem Falle zunächſt 
freilich ſtumm, aber ſie ſind darum nicht untätig. Ja, vielleicht 
iſt die ſtille Arbeit des Zuhörens, die man hier von ihnen fordert, 
anſtrengender, als die laute, die ſie vordem im Klaſſengeſpräch ge- 
leiſtet haben. -- Arbeitsſ<hule auc< hier! und auch hier keine nuß= 
loſe Arbeit! Dort eine intellektuelle Tätigkeit, hier das mehr in- 
tuitive Erfaſſen einer längſt verklungenen religivſen Welt. Und 
hier gerade lernen die Schülerinnen , ſelbſt unter fremd und ſonder- 
lih anmutenden Formen denſelben Pulsſchlag religiöſen Lebens 
zu greifen, der ſich leiſe auch ſchon im eigenen Herzen zu regen 
beginnt. So leiſten uns dieſe Stunden das Höchſte, was der Religions- 
unterricht zu leiſten vermag, ſie machen die Bahn frei in den Seelen 

	        

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